Aus diesem Grund betrachten wir eine Wohnung, ein Büro und den öffentlichen Raum nicht als scharf getrennte, sondern als verwandte Bereiche. Je nach Bedürfnis entstehen Produkte, die so preiswert sind wie unsere Kunststoffstühle oder als Luxus gelten wie der „Lounge Chair“. Auch auf der Zeitachse bewegen wir uns rückwärts und vorwärts zugleich. Wir pflegen das Erbe der Klassiker in Re-Editionen, Ausstellungen und Publikationen, beschäftigen uns aber ebenso engagiert mit zeitgenössischem Design. Und wir interessieren uns für Ergonomie, Ökologie, Logistik und Qualitätssicherung nicht weniger als für die Anthropologie des Wohnens. Um die Welt der Einrichtung und ihrer Produkte besser zu verstehen, begann ich Anfang der achtziger Jahre Möbel der Moderne zu sammeln. Die wachsende Sammlung legte den Bau eines Museumsgebäudes nahe. Ein lebendiges Museum aber verlangt nach Ausstellungen. Um diese Ausstellungen finanzieren zu können, mussten sie so attraktiv sein, dass andere Institutionen sie übernehmen würden. Die Herausgabe von Katalogen, die Organisation von Workshops, der Ankauf von Archiven sowie die Schaffung einer Palette von Museumsprodukte folgten. Inzwischen zirkulieren die Ausstellungen des Vitra Design Museums weltweit.
1981 ergab sich unverhofft die Chance, Architektur in das Projekt einzubeziehen. Ein Brand hatte den Grossteil der Produktionsanlagen in Weil zerstört und es galt, den Wiederaufbau an die Hand zu nehmen. Nicholas Grimshaw, der Architekt des ersten neuen Gebäudes, verfasste auch einen Masterplan zur einheitlichen Entwicklung des Geländes. Wenig später allerdings führte meine Begegnung mit Frank Gehry dazu, dass die Idee einer homogenen Überbauung durch das Konzept einer Collage ersetzt wurde. So entstand der Vitra Campus in Weil am Rhein.
Was sich heute zum Projekt Vitra sagen lässt, ist ein Zwischenbericht. Das Projekt ist im Fluss und wird es noch lange bleiben. Dank seiner Verfassung als Familienunternehmen hat es gute Chancen, den ihm eigenen Charakter auch in der weiteren Entwicklung zu bewahren. Manches ist über die aktuelle Bautätigkeit hinaus in Bewegung: Von der Erschliessung neuer Märkte in Asien über neue Ideen zur Kommunikation und Ausbildung bis zur Vitra Edition, mit der wir uns mit Lust auf neue Experimente einlassen.
Zu den Experimenten von Vitra gehört auch Collage auf der Website www.vitra.com. Hier wollen wir den Menschen, die sich für Design, Architektur oder Kultur interessieren, die Möglichkeit bieten, an unseren Gedanken zu diesen Themen teilzuhaben. Im Laufe der Zeit soll an dieser Stelle ein vielfältiges Sammelsurium von Artikeln, Berichten, Bildern, Thesen und Bemerkungen entstehen und mittels Newsletter-Abonnement für die einzelnen Rubriken können Interessierte sich über neue Beiträge auf dem Laufenden halten.

09 April 2008.