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culture Gestaltungsprozesse – Vitra und die Autoren

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Verwerfen

/ Rolf Fehlbaum

Vitra arbeitet mit unabhängigen Autoren – vorwiegend mit Designern, aber auch mit Grafikern oder Architekten. Sie unterscheiden sich von anderen Gestaltern dadurch, dass sie eine bestimmte Handschrift und Weltsicht haben, die in jedem ihrer Produkte aufscheint. Gestalter, die im Dienste Anderer stehen, müssen ihre Handschrift dagegen dem Auftraggeber anpassen.

Die Rollenverteilung ist nicht die des Auftraggebers und Auftragnehmers. Zwei Unternehmer – der Designer und Vitra – suchen gemeinsam nach der besten Lösung. Die Aufgabe von Vitra ist dabei, das stimulierende Umfeld, die technische Unterstützung, die gute konzeptionelle Diskussion und die konstruktive Kritik zu bieten. Das ist keine Garantie für den Erfolg. Manchmal will ein Produkt nicht werden. Dann muss man ganz neu anfangen. Immer dauert der Prozess viel länger, als man wünschen würde. Und manchmal kommt etwas anderes heraus, als man ursprünglich geplant hatte. Das Produkt muss sein Wesen finden. Das zu verstehen und behutsam zu kanalisieren, ist die Kunst des Design-Managements.

Gestalten ist ein weites Feld: Vom kunstnahen Editionsdesign bis hin zur Designdienstleistung im Rahmen eines Industrieunternehmens, vom Sammlerstück bis zum anonymen Alltagsgegenstand, vom Extremen über das Angemessene bis zum Banalen. Es liegt auf der Hand, dass das Extreme und das Angemessene unterschiedlich wahrgenommen werden: In Sammlungen und Archive geht vor allem das ein, was extrem ist, was mit dem Bestehenden bricht, was einen Aspekt des „Problems“ brillant löst, weil es andere ignoriert, kurz: das Aufsehen erregende Einzelstück. Angemessenheit hat dort viel weniger Platz. Sie wird vom Alltag aufgesogen, leistet ihre Dienste, erfreut die Nutzer, aber landet meistens nicht im Museum, auch wenn sie einen wichtigen Beitrag zur Evolution eines Genres geleistet hat.

11 April 2008.

Autor:
Rolf Fehlbaum
Bilder:
© vitra