Design wird im Allgemeinen als etwas wahrgenommen, das das Bewusstsein anregt. Dabei ist die visuelle Wahrnehmung von den Sinnen, die unser Bewusstsein steuern, am stärksten ausgeprägt und der wichtigste Anreiz, Dinge auszuwählen. Es liegt also nahe, dass Design unsere Kaufgewohnheiten beeinflussen kann – und dass dies die Industrie und die Konsumwirtschaft vorantreibt.
Zugleich gilt: Wenn wir über den Gebrauch eines Objekts nachdenken, stellen wir fest, dass sich Menschen oft weder des Objekts bewusst sind, wenn sie es benutzen, noch genau wissen, wie sie es benutzen. Sie stehen also mit Dingen und deren Umfeld unbewusst in Verbindung, benutzen sie intuitiv richtig, befinden sich in einem natürlichen Zustand. In diesem Zustand passen sich Menschen den Objekten oder Situationen bzw. ihrem Umfeld an. Wenn wir also unbewusste, natürliche und fliessende Aktionen – auch unsere eigenen – genau beobachten, können wir, glaube ich, die ausgeprägte Beziehung zwischen diesen Aktionen erkennen. Und erst wenn wir uns die Dinge zu bewusst machen, läuft die Situation aus dem Ruder: Wir begehen Fehler im Umgang mit dem Objekt.
Mir wurde klar, dass Design Menschen, Gegenstände und Umgebungen miteinander versöhnt, dass es bei Design nicht nur darum geht, Formen zu schaffen, sondern auch Beziehungen. Das genau ist es, was umfassendes Design ausmacht: Hardware (Ausrüstung und Einrichtung) und Software (Know-how und Erfahrung) interagieren reibungslos. Es gibt Momente, in denen solche unbewussten Handlungs- und Verhaltensströme, die mit dem Gebrauch eines Objekts zu tun haben, auf unterschiedliche Weise unterbrochen werden können; man könnte auch sagen, dass hier ein Reiz auf das Bewusstsein wirkt. In diesem Handlungs- und Verhaltensstrom einen Widerhaken zu schaffen, ist natürlich auch Design – es sollte sich aber um einen subtilen Witz oder angemessene Kunst handeln. Dieser Widerhaken kann ein Bruch in der Form sein, ein Ausdruck des künstlerischen Egos oder der Persönlichkeit des Künstlers oder eine exzessive Verzierung. Ich glaube, es darf nichts sein, was einen reibungslosen Fluss der Handlungen unterbricht, nichts, das im Missklang zur Umgebung steht.
Ist Design, das keinen Widerhaken hat, langweilig oder fade? Vorausgesetzt, dass es dem bewussten Verstand einen Anreiz bieten soll, kann es auf den ersten Blick tatsächlich so scheinen. In Wirklichkeit bedeutet es aber nur, dass sich das fragliche Design in die Umgebung und die Handlungen und Verhaltenweisen völlig einfügt; es begreift die Beziehung zwischen Menschen und Gegenständen als natürlich.

09 April 2008.