Paradoxerweise versteht es Alberto Meda gerade dank seiner Ausbildung als Ingenieur, Technologie für einen Leitgedanken seiner Arbeit zu nutzen: die Vereinfachung unserer Beziehungen zu Objekten. Tatsächlich hat Meda schon immer darauf bestanden, dass die Technologie kein Selbstzweck sei, sondern ein Mittel, um einfache Dinge zu erreichen … Vereinfachung, Reduktion auf das Wesentliche, Abwerfen von unnötigem Ballast, Energiesparsamkeit, größtmögliche Leichtigkeit … All diese Ziele – und Elemente seines Vokabulars – beruhen jedoch auf ein und demselben Faktum: der Beobachtung der Natur. Meda liess sich schon immer von der Natur inspirieren, von ihrer komplexen und wunderbaren Anziehungskraft; genau wie seinerzeit Goethe, als er die organischen Formen und die Art ihres Wachstums und ihrer Entwicklung eingehend studierte. Im Einklang mit dem heute stetig wachsenden „Umweltbewusstsein“ stellt auch Meda die Respektierung des natürlichen Gleichgewichts der Dinge ins Zentrum seiner Beziehungen zur Industrie, die er als bevorzugten, unverzichtbaren Gesprächspartner für den Dialog in Sachen Design betrachtet. Der Entwurf einer mobilen Wand, die als Energiespeicher dienen soll, scheint einen Wendepunkt in seiner Arbeit zu markieren. Einerseits erfüllt dieser Entwurf einer reaktionsfähigen Oberfläche alle Erwartungen an ein technisches Produkt (nicht zuletzt dank einer geduldig und seriös durchgeführten Versuchsreihe, um das Verhalten unter verschiedensten Bedingungen zu prüfen). Andererseits eröffnet er eine neue Forschungsrichtung, die sich bereits in seinen eher experimentellen Arbeiten abzeichnet: Sie versteht Objekte als Präsenzen, die in unserem Verhältnis zur Umwelt eine Vermittlerrolle übernehmen können. Die Inspiration durch Organisches war schon immer ein Merkmal von Medas Design. Diese bietet einerseits die Möglichkeit, die besondere Art der notwendigen Beziehung zwischen den individuellen Elementen zum Ausdruck zu bringen, die in die Herstellung eines einheitlichen Designs einfließen, und impliziert andererseits eine Prüfung des gesamten Panoramas häuslicher Objekte, die unsere Alltagslandschaft prägen, um sie vor einem „natürlichen“ Hintergrund, dem natürlichen Lauf der Dinge zu überdenken … In der Natur wird nichts erschaffen und nichts zerstört; in einem unaufhörlichen Umwandlungsprozess wird alles geboren, wächst, entwickelt sich und stirbt zuletzt, um wieder geboren zu werden und neuem Leben zu seiner Form zu verhelfen. So werden auch die Sonnenenergie, der Zyklus der Jahreszeiten, Hitze und Kälte zu entscheidenden Elementen des Dialogs über die Gestaltung von Alltagsgegenständen. Ebenso werden sich die Objekte dieser konstanten Wandlungskraft anpassen und ein Teil von ihr werden, um ein „respektvolleres“ Verhältnis zur Umwelt herzustellen. Medas Design eines „performativen“ Raumteilers entspringt tatsächlich der Beobachtung von Materialien mit phasenweise wechselnden Eigenschaften, die je nach den herrschenden äußeren Umweltbedingungen Hitze abgeben oder aufnehmen und sich im Grunde wie Energiespeicher verhalten. Am heissesten Sommertag wird dieser mobile Paravent, nachdem er die Kühle der nächtlichen Brise absorbiert hat, die Leute erfrischen, die in seinem Schatten Schutz suchen, indem er die angesammelte Kühle wieder abgibt. Im Winter wiederum wird er die Leute durch die gespeicherte Sonnenwärme warm halten. Francesca Picchi

14 April 2008.