In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangte das italienische Design weltweite Anerkennung. Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg hatten die Mailänder Fotografen Aldo Ballo und Marirosa Toscani Ballo. Ihre Fotos vermitteln Schönheit und Funktion der Objekte ebenso wie deren kulturelle Botschaft und trugen so entscheidend zum Mythos bei, der das italienische Design bis heute umgibt.
Mit herausragenden Designobjekten, zahlreichen Büchern, Zeitschriften und Postern sowie einer Vielzahl von Fotografien aus dem Ballo-Archiv zeichnet die Ausstellung „Zoom“ ein neues Bild dieser Epoche. In ihr geht es nicht nur um die legendären Designklassiker aus der Zeit, sondern auch um deren Interpretation, Überlieferung und ihre Entwerfer – von Albini, Aulenti, Bellini und Castiglioni über Colombo, Mendini, Pesce und Ponti bis zu Sarfatti, Sottsass und Superstudio.
Die italienische Designkultur, die dem Land weltweit eine Vorreiterrolle verschaffte, zeichnete sich aus durch die kreative Zusammenarbeit visionärer Unternehmer mit innovativen Gestaltern, durch enge Verbindungen zu den bildenden Künsten und durch ein sicheres Gespür für Lebensart. Als Kommunikatoren zwischen diesen Sphären wirkten dabei zahlreiche neue italienische Wohnzeitschriften, die schon früh auch mehrsprachig auf den Markt kamen und entscheidend zum Image des italienischen Designs international beitrugen. Die Zusammenarbeit von Aldo und Marirosa Ballo zwischen 1953 bis 1994 fällt genau in die Blütezeit des italienischen Designs und von Anfang an gehört das Paar zu den bevorzugten Objektfotografen für Coverbilder, Werbekampagnen und redaktionelle Beiträge.
Die Fotografien der Ballos zeichnen sich durch ihre besondere Frische und die Konzentration auf die den Objekten eigenen Qualitäten aus und basieren auf präzisen, klaren Inszenierungen sowie einer sparsamen Auswahl von Requisiten. Sie entstanden für wichtige Hersteller wie Pirelli, Olivetti, Artemide, Danese oder Kartell und für Zeitschriften wie Casa Vogue, Domus und Abitare. Neben den konzentrierten Objektportraits fotografierten die Ballos auch aufwändig arrangierte Inszenierungen, Architektur und Wohnungseinrichtungen oder Persönlichkeiten des Mailänder Designs. Bis heute werden diese Aufnahmen in allen wichtigen Katalogen und Publikationen über das italienische Design reproduziert – sie haben sich dem kollektiven Gedächtnis eingeschrieben und damit unser Bild vom italienischen Design maßgeblich geprägt.
Basierend auf dem Fundus der etwa 146.000 Aufnahmen aus dem Studio Ballo zeichnet die Ausstellung „Zoom“ ein neues Bild der italienischen Designgeschichte. Es konzentriert sich nicht nur auf die legendären Designklassiker, die in dieser Epoche entstanden, sondern beleuchtet jenen intensiven Dialog zwischen Objekten, Medien und Vermarktung, der die weltweite Verbreitung dieser Entwürfe erst ermöglichte. Über 300 Fotografien, zahlreiche Originalpublikationen, Ausschnitte italienischer Spielfilme und eine Dokumentation der wichtigsten Ausstellungen zeichnen so ein faszinierendes Panorama der großen Ära des italienischen Designs.
Im Zentrum der Inszenierung stehen die Aufnahmen der Ballos sowie eine Auswahl von etwa 75 Objekten aus der Sammlung des Vitra Design Museums, unter ihnen spektakuläre Objekte wie Archizooms Sitzlandschaft „Safari“ von 1968 und Klassiker wie Mario Bellinis Stereoanlage „Totem“ von 1970. Unter den Entwerfern der gezeigten Objekte sind fast alle wichtigen Designer der Zeit – von Franco Albini, Gae Aulenti, Mario Bellini, Alessandro Mendini, Gaetano Pesce, Aldo Rossi, Ettore Sottsass oder Marco Zanuso.
Kuratiert wird die Ausstellung von Mathias Schwartz-Clauss in enger Zusammenarbeit mit Marirosa Toscani Ballo. Im Anschluss an ihre Präsentation im Vitra Design Museum geht die Ausstellung auf internationale Tournee.
26. März – 3. Oktober 2011
Öffnungszeiten: Mo – So: 10 – 18 Uhr
Öffentliche Führungen: Sa + So: 11 Uhr | Führungen für Kinder: jeden 2. Sonntag im Monat: 11 – 13 Uhr
Alle Termine zum Begleitprogramm und weitere Informationen unter: www.design-museum.de/museum/news









