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Vitra.

Collage'

Vitra und das Eames Office

Als Ansprechpartner für die Fehlbaums in vielen Fragen des Designs fungierte in den ersten Jahren das heute geradezu mythisch gewordene Eames Office in Venice, Kalifornien.

Die Atmosphäre, die dort herrschte, war prägend für die Entwicklung von Vitra. Am Anfang jedes Projekts stellten sich Ray und Charles immer die Frage: „Interessiert uns die Aufgabe und verspricht es Spass, sie zu lösen?“

Was die Eames beflügelte, war nicht der Wunsch, die Dinge anders, sondern sie besser zu machen. Das unterscheidet sich vom Motiv eines Warenangebots, das nurmehr den Anspruch des Marketing an den auffälligen äußerlichen Unterschied eines Produkts befriedigt. Der Wunsch, es besser zu machen, lag den Eames so am Herzen, dass Design für sie in einer Form moralischen Handelns gründete, bei dem es viele Seiten des Gegenstandes mitzubedenken gilt. Es hat die Dinge in ihren sozialen Zusammenhängen ernst genommen: von der Herstellung, den Materialien, über die Kommunikation, die Benutzung, in ihrer Eignung für die Befriedigung neuer Bedürfnisse, bis hin zu ihren Kosten. Die Eames haben im Geist der Moderne gearbeitet, einem utopischen Ansatz des Optimismus, der in der Rationalität industrieller Produktion die Voraussetzungen für sozialen und kulturellen Fortschritt sah. Das ist ein Standpunkt, der Vitra aus der Begegnung mit dem Eames Office erhalten geblieben ist.

Unter der Ägide des ansteckenden Enthusiasmus von Charles Eames trafen dort Menschen unterschiedlicher Kompetenzen und Erfahrungen aufeinander, und zugleich war nichts dort einer fixierten Arbeitsteiligkeit unterworfen. Das weitläufige Studio in Los Angeles war ein Ort der Utopie, in dem scheinbar solide Definitionen und Trennungen von Arbeit und Spiel, Sammeln und Forschen, Kunst und Wissenschaft, Neugierde und Pflicht in einem beständigen Prozess des Experimentierens aufgehoben schienen. Das Grundprinzip und die Inspirationsquelle dieses Arbeitsklimas war die Collage, die als eine Art Arbeitsmethode an allen Produkten der Eames in der einen oder anderen Weise kenntlich ist. Sie war freilich nicht inspiriert von einem ästhetischen Wollen, das auf das Schönsein von Produkten gerichtet gewesen wäre, sondern ein Ansatz zur Problemlösung. Die erste grosse monographische Ausstellung zur Arbeitsweise der Eames in den 70er Jahren hiess unter Bezugnahme auf ein berühmtes Zitat von Charles Connections. Damit war das selbe gemeint: Organisierte Vielfalt und ein auf Erkenntnisgewinn gerichtetes Zusammentreffenlassen disparater Materialien, Bilder, Genres, Disziplinen, Aufgabenstellungen und Begabungen, die das Werk der Eames geradezu wie ein Leitmotiv durchziehen.

Für Vitra war der Gedanke der Collage als Arbeitshaltung eine entscheidende Anregung und ein Leitmotiv, das die Entwicklung in vieler Hinsicht geformt hat: Sowohl das Ineinander von klassischen Möbelgestalten des 20. Jahrhunderts mit zeitgenössischen Auffassungen des Möbels, als auch die für Vitra charakteristische nahtlose Koexistenz der Befassung mit privatem und öffentlichem Interieur, mit der Welt des Wohnens und der Welt des Büros ist mit dem Gedanken der Collage beschreibbar. Diese Transversalität der Bereiche rührt noch aus der Haltung des Eames Office her, das heute von Charles’ Enkel Eames Demetrios als Archiv und Stiftung weitergeführt wird. Rolf Fehlbaum ist mit der Eames-Familie immer noch freundschaftlich verbunden. Und bis heute arbeitet Vitra in allen Fragen der Authentizität der Produkte mit dem Eames Office zusammen.


Text und Grafik: Wolfgang Scheppe

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