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3 Fragen an...

Christopher Warren

Laut Christopher Warren, dem Gründer von WORD, kann die Retail-Branche von grundlegender Bedeutung sein: um die zahlreichen Gesichter der Stadt zu vereinen und um ein typisches Stadtbild zu schaffen.

Katya Tylevich: Warum ist das Retail-Design in Los Angeles einzigartig?

Christopher Warren: Im Vergleich zu anderen Städten ist das Einkaufen hier ortsabhängig. Wegen der Autokultur geht man nicht die Strasse entlang, wie man es in New York oder Paris machen würde. Daher kommt man selten zufällig an einem Laden vorbei und kauft dort spontan ein. Meistens weiss man genau, in welches Geschäft man gehen will, und vielleicht sogar, was man dort sucht, da man es sich vorher online angesehen hat. Um in LA Kunden in einen Laden zu locken, muss die Marke eine Atmosphäre schaffen, die zum Einkaufen einlädt, und darf nicht nur Waren ausstellen.

KT: Gibt es Elemente, die im Retail-Design von LA unabhängig vom Stadtteil immer wiederkehren?

CW: Das Schöne an Los Angeles ist, dass man überall Samen auswerfen kann, und sie werden anfangen zu blühen. Wir versuchen, wo immer es möglich ist, die Landschaft entweder im Inneren des Ladens oder zumindest in der Nähe der Fassade oder des Schaufensters einzubeziehen. Der Store von Isabel Marant am Melrose Place ist ein gutes Beispiel für einen Laden mit Vorgarten. Die Geschäftsfront ist vom Gehweg aus um neun Meter zurückversetzt. Um ins Innere zu gelangen, läuft man durch einen Sukkulentengarten. Es gefällt mir, dass einem der eigentliche Laden nicht direkt vor die Nase gesetzt wird. Bei meiner Arbeit versuche ich auch, das schöne Wetter und die mehr als 300 Tage Sonnenschein, die wir hier haben, miteinzubeziehen.

In Verkaufsräumen in LA bleiben die Türen und Fenster möglichst offen – oder sollten es zumindest. Das ursprüngliche Design des Prada-Stores von OMA in LA sah nicht einmal eine Eingangstür vor – die gesamte Fassade war weit offen, was ich grossartig fand.

KT: Wie sehen Sie die Zukunft des Retail-Designs in Los Angeles?

CW: Ich hoffe, nie wieder sehen zu müssen, dass ein Designer bereits vorhandenen Raum nimmt und ihn einfach nur aufhübscht. Ich möchte, dass das aufhört. Ich hoffe, dass das Retail-Design hier den Gehweg immer weiter miteinbezieht. Derzeit fehlt es LA an urbanem Kontext, da es keine Fussgangerkultur gibt, obwohl sich das gerade ändert. Jeder Laden, der mit der Strasse interagiert, muss Teil des sich verändernden urbanen Kontexts werden. Meiner Ansicht nach kann selbst ein kleiner Laden entscheidend zur städtischen Entwicklung von Los Angeles beitragen.

Weitere Informationen finden Sie auf warrenoffice.com.


Veröffentlichungsdatum: 14.6.2018
Autor: Katya Tylevich für die Vitra Publikation "The Merchant #02"
Bilder: Bild von Christopher Warren von Molly Cranna, Store-Fotos von by Taiyo Watanabe; © FRAME Publishers