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Workspirit

Bürokultur und die Zukunft der Arbeit

Workspirit ist das Projekttagebuch von Vitra über Arbeitskultur und die Zukunft der Arbeit. Seit 1988 bringt Vitra neue Ausgaben dieser Publikation heraus. Ihre Inhalte sind Thesen zum Büro und zur Arbeit sowie Informationen über neue Produkte, die diese Thesen in die Realität übersetzen.

Vergleicht man das heutige Büro mit dem von vor einem halben Jahrhundert, dann hat sich physisch nicht viel verändert. Die meisten Menschen fahren immer noch täglich zur Arbeit und verbringen dort rund acht Stunden an einem meist fest zugewiesenen Arbeitsplatz.

Verändert haben sich hingegen die Art und Weise, wie wir heute kommunizieren, dass wir überall arbeiten können und die technischen Geräte, die das alles ermöglichen. Wir sind komplett abhängig von Technologien und können ohne das Internet nicht arbeiten. Die meisten unserer Arbeitsbereiche sind offen gestaltet. Wir können uns am Tisch besprechen, im Café, im Taxi oder auf der Couch. Diskussionen und Präsentationen werden über Skype geführt. Vielleicht teilen wir uns den Tisch mit unserem Chef und tauschen Informationen über Facebook aus. Wir beantworten unsere E-Mails auf dem Weg zur Arbeit und können Ortswechsel als Perspektivenwechsel nutzen, während wir mit kreativen Herausforderungen kämpfen und gleichzeitig zu jeder Tages- und Nachtzeit mit jedem in Verbindung stehen können.

Um Fragestellungen rund um diese Entwicklungen, um den Geist des zeitgenössischen Arbeitens geht es in den Workspirits.


Workspirit 14

Herausgegeben von Pernilla Ohrstedt und Jonathan Olivares

Workspirit 14 beleuchtet die sich kontinuierlich entwickelnde Kultur des Arbeitsplatzes und die proaktive Rolle, die Vitra dabei spielt, in einer zweiteiligen Geschichte: The Social Collage und The Collage Office.

Die ehemals scharfe Trennung zwischen „Home“ und „Work“ ist verschwunden, Arbeit findet überall und zu jeder Tageszeit statt. Also scheint es nur natürlich, dass ein gutes Büro für Aspekte des persönlichen Lebens und soziale Aktivitäten offen sein sollte. Das nennen wir Social Collage.


Workspirit 14 untersucht die Social Collage in einer Reihe von Beiträgen individueller Persönlichkeiten, die ihre täglichen Gewohnheiten mit vom Autor Mason Currey kommentierten Fotos porträtieren. Der Kurator Joseph Eisenbrand führt den Leser durch die alltäglichen Rituale, die der Designer Alexander Girard im Lauf seines beruflichen Wirkens in New Mexico bei sich zu Hause, in seinem Studio, seinem Archiv und unterwegs entwickelt hat. Ein Essay des Designers George Nelson von 1984 zeigt uns die Zeitlosigkeit vieler Aspekte der Social Collage. In einem Beitrag widmen sich die Designer von Help.Ltd der Rolle von Pflanzen im Büro. Die soziale Rolle des Restaurants für Arbeit und Privatleben wiederum wird in einem Interview mit der Gastronomin Ruth Rogers deutlich und schliesslich betrachtet der Musiker Questlove die Beziehung der Musik zu Arbeit und Design anhand seiner Interpretation des Eames Musical Tower, eines Entwurfs von Charles und Ray Eames.

Der Ansatz von Vitra zur Einrichtung von Büros heisst Collage Office. Doch was verstehen wir unter diesem Begriff? Durch eine Collage – eine individuelle Zusammenstellung von Formen, Farben und Materialien – kann Vitra die Identität eines Unternehmens in eine Ausstattung übersetzen.

Es gibt so viele verschiedene Collagen wie Menschen und so viele unterschiedliche Collage Offices wie Unternehmen.

Im Zuge all der neuen Technologien, mit denen wir überall und zu jeder Zeit arbeiten können, wurde das Ende des Büros immer wieder vorausgesagt. Wir glauben im Gegenteil, dass das Büro heute wichtiger ist denn je.

Die heutigen Studienabsolventen entscheiden sich kaum noch für eine Karriere in einem Unternehmen. Die Freiheit, zu wählen, wann, wo und mit wem man arbeitet, ist wichtiger als die Sicherheit und die berufliche Entwicklung, die traditionelle Firmen anbieten. Organisationen müssen darum eine gemeinsame Bewusstseinsbasis für sich ständig verändernde Teams aus Freiberuflern aufbauen, wodurch das Büro noch mehr an Bedeutung gewinnt, da unsere Umgebung sich wesentlich auf unser Denken auswirkt.

Für das feste Personal ist die Büroumgebung natürlich ebenso wichtig. Wir alle kennen das wohlige Gefühl, nach einer langen Reise nach Hause zu kommen. Mit seinen vertrauten Gerüchen und Erinnerungen ist das Zuhause Teil unserer Persönlichkeit, die sich wiederum in unserem Zuhause widerspiegelt. Das Büro erfüllt eine ähnliche Aufgabe: Auch wenn wir überall arbeiten können, ziehen wir es vor, an den Ort zurückzukommen, den wir mit unseren Kollegen teilen.

Bei Vitra glauben wir, dass Einrichtungen aus Collagen entstehen. Unsere Idee der Collage hat ihren Ursprung in den Räumen des Hauses von Charles und Ray Eames in Pacific Palisades und im ungewöhnlich vielseitigen Werk von Alexander Girard. Die Art der Collage, die Vitra anwendet, ist auch in den Büroräumen, die wir mit eingerichtet haben, zu erkennen. Im Abschnitt „Collage Office“ der Broschüre Workspirit 14 führen wir den Leser durch zeitgemässe Büros, die von verschiedenen Architekten für einen bunt gemischten Kreis von Kunden gestaltet wurden. In all diesen Räumen wurden Collagen mit Produkten aus dem Angebot von Vitra zusammengestellt. Wir zeigen auch einige historische Beispiele des Collage Office, die aus der mit Workspirit 14 zusammen herausgegebenen Publikation „An Office Perspective“ ausgewählt wurden. Diese Broschüre zeichnet die Entwicklung von Arbeitsplatzarchitektur, Kultur, Möbeln und Technologie seit 1850 chronologisch auf und bietet ein einfaches aber umfangreiches, historisches Hilfsmittel für jeden, der ein Büro gestalten möchte.

Das Angebot von Vitra ist für Collagen gemacht, nicht für Einheitlichkeit. Im letzten Kapitel dieses Workspirit zeigt Vitra neue Produkte von Antonio Citterio, Ronan und Erwan Bouroullec, Alberto Meda, Konstantin Grcic, und Edward Barber & Jay Osgerby. Und dank der in Zusammenarbeit mit Hella Jongerius entwickelten Colour & Material Library können Produkte gemischt und aufeinander abgestimmt werden, um eine unendliche Vielfalt von Collagen zu bilden.