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Wenn ein Freund keine passenden Stühle findet.

Die Eames Aluminium Group
Eine Original-Geschichte von Vitra

Im Jahr 1954 haben der Industrielle J. Irwin Miller und seine Frau Xenia den Architekten Eero Saarinen mit dem Bau ihres Wohnhauses beauftragt. Für die detaillierte Gestaltung und Möblierung der Innenräume war der Designer und Innenarchitekt Alexander Girard zuständig. 1957, kurz vor der Vollendung des Bauwerks, war Girard zu Besuch bei seinem Freund Charles Eames und beklagte sich bei ihm, dass es keine qualitativ hochwertigen Möbel für Aussenbereiche gäbe und er absolut keine passenden Stühle für die Terrassen des modernen Miller House finden könne.

Daraufhin begannen Charles und seine Frau Ray Eames in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Möbelhersteller Herman Miller mit der Entwicklung eines Stuhlprogramms, das diese Lücke füllen sollte. Charles sagte dazu: «Alles beginnt mit engen menschlichen Beziehungen. Da ist ein Freund, der sich mit etwas befasst. Er braucht etwas und man wird involviert. Als wir die Gründe analysierten, warum es auf dem Markt nichts Passendes gab, arbeiteten wir natürlich einen Plan aus, um ein Design zu entwickeln, das diese Lücke füllt. So hat es angefangen».

Dieser Ausgangspunkt zur Entwicklung der Eames Aluminium Group ist massgeblich für ihre Gestaltung: Weil die Stühle in Aussen- und Innenbereichen einsetzbar sein sollten, suchten die Eames nach geeigneten Materialien. Dabei entschieden sie sich für das wasserunempfindliche Aluminium, das zudem leicht und plastisch frei formbar ist. Sie setzten diese Vorteile in eine raffinierte Konstruktion um: Zwei elegant geschwungene Seitenholme aus Aluminium werden auseinandergedehnt und zwischen ihnen formt ein frei verspanntes Textil den Sitz und die Rückenlehne.

Die Stühle hiessen für kurze Zeit «Leisure Group» oder «Indooroutdoor Group». Der Entwurf stiess auf breite Akzeptanz und wurde zur Produktfamilie «Eames Aluminium Group» weiterentwickelt: Die Aluminium Chairs EA 101, 103 und 104 eignen sich besonders gut als Esszimmerstühle, während die Modelle EA 105, 107 und 108 vor allem in Sitzungsräumen eingesetzt werden. Die Aluminium Chairs EA 115, 116 und EA 124, 125 bilden zwei Gruppen von Lounge Chairs und die Varianten EA 117, 118 und 119 sind die Bürostühle der Produktfamilie.

Vitra brachte die Stühle 1959 auf den europäischen Markt – kurz nach Herman Miller, wo die Aluminium Chairs für den Rest der Welt produziert und vertrieben werden, und ein Jahr nachdem die Familie Miller die Stühle für ihr Haus erhalten hatte. Und obwohl die Millers ihre Aluminium Chairs immer auf der Terrasse des Miller House eingesetzt haben, fanden die ikonischen Stühle in den folgenden Jahrzehnten ausschliesslich in Innenbereichen von Wohnungen, Häusern und Büros Verwendung.

Zur Herstellung der Stühle entwickelte das Eames Office einen Montageprozess, der bei Vitra seit jener Zeit unverändert angewendet wird – abgesehen von einigen Verbesserungen, mit denen er an heutige technische Anforderungen angepasst werden konnte. Im Durchschnitt brauchen sechs langjährig geschulte Vitra-Mitarbeiter insgesamt 40 Minuten für die verschiedenen Montageschritte eines Eames Aluminium Chair. Besucher des Vitra Campus in Weil am Rhein, nahe Basel, können diese Endfertigung bei einer Produktionsführung des Vitra Design Museums persönlich miterleben.

Charles Eames hat einmal gesagt: «Ich denke, unsere Arbeit ist hauptsächlich die eines Handwerkers – die Werkzeuge, die wir verwenden, sind oft mit der Kunst verbunden, aber wir nutzen sie, um Probleme zu lösen, die uns aufgetragen wurden oder die wir erkennen». Dieser Aussage fühlt sich Vitra verpflichtet und sieht die Eames Aluminium Chairs nicht nur als Stuhlklassiker, sondern als komplettes Gestaltungskonzept eines industriellen Herstellungsprozesses mit handwerklichen Anteilen. Nur so kann die Qualität erreicht werden, die es Vitra erlaubt, auf die Stühle der Eames Aluminium Group eine Garantie von 30 Jahren zu gewähren.

«Ich denke, unsere Arbeit ist hauptsächlich die eines Handwerkers»
Charles Eames

Das legendäre «Miller House» befindet sich heute im Besitz des Indianapolis Art Museum und kann besichtigt werden. Mit einigen anderen privaten Wohnhäusern steht es exemplarisch für den amerikanischen «Mid-Century Modernism».


Veröffentlichungsdatum: 22.06.2017
Bilder: © Eames Office, LLC



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