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3 Fragen an...

Joanna Laajisto

Die Architektin und Designerin Joanna Laajisto erarbeitete für Vitra, Ansorg und Vizona die kleine Stadt «The Village». Im Interview spricht sie über das Konzept und gibt Einblicke in ihre Arbeit als Architektin im Bereich Ladenbau.

Was sind Herausforderungen im Bereich Ladenbau und was macht ein gutes Store-Konzept aus?

Für mich als Architektin und Innenarchitektin ist das Retail-Design ein sehr anspruchsvolles, besonderes Arbeitsfeld. Ein schöner, wohlproportionierter Raum ist wichtig, aber für sich alleine nicht genug. Die Schwierigkeit besteht darin, das stationäre Geschäft auch erfolgreich zu machen. Es gibt viele Beispiele für ansprechende, gut durchdachte Geschäfte, die trotzdem wirtschaftlich scheitern.

Ein Point-of-Sale muss verschiedene Aspekte berücksichtigen: den richtigen Standort, die richtigen Produkte, die richtige Innenausstattung und den richtigen Service. Wenn eines dieser Elemente fehlt oder Schwächen aufweist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt scheitert. Meine Aufgabe ist deshalb vor allem, ein ganzheitliches Ladenkonzept zu erarbeiten, das im Verkaufsraum die genannten Aspekte zusammenbringt und harmonisiert.

Heute spricht man im Detailhandel viel von Erlebnissen, die man als Retailer und Marke den Kunden bei ihrem Einkauf bieten will. Welche Rolle spielt dieser Aspekt in Ihrer Arbeit?

Wenn ich einen Raum gestalte, versuche ich tatsächlich immer, mich auf das menschliche Erleben zu konzentrieren. Ich frage: Wie fühlen sich die Menschen in diesem Raum? Wie gehen sie miteinander um? Für mich ist erfolgreiches Design eine 360-Grad-Erfahrung für alle Sinne. Neben Funktionalität und Ästhetik gehören für mich auch Gerüche, Geräusche und Berührungen dazu.

Mit all den neuen Technologien kann ein Laden so gestaltet sein, dass er ein umfassendes Erlebnis bietet. Oder man macht das genaue Gegenteil und schafft einen Ort des digitalen Entzugs, der rein auf zwischenmenschliche Beziehungen setzt. Das ist etwas, das online nicht möglich ist. Für mich stellt die menschliche Interaktion einen wichtigen Teil des stationären Handels dar. Wir wollen Orte gestalten, an denen Interaktion ganz natürlich entsteht.

Für Vitra, Ansorg und Vizona arbeiteten Sie am Schauraum-Auftritt. Wie sind Sie vorgegangen?

Für den Schauraum habe ich fünf verschiedene, fiktive Marken kreiert. Aktuell sind vier davon um eine kleine Plaza herum angeordnet. Das Konzept trägt den Namen «The Village». Jede der fiktiven Marken hat einen USP, bedient eine besondere Branche, spricht eine bestimmte Kundenzielgruppe an und erfüllt ihre Bedürfnisse mit einem massgeschneiderten Retail-Konzept.

Zu dieser Idee inspiriert haben mich die grossen Freiluft-Einkaufszentren in Kalifornien. Am Stand, wie auch in der Stadt oder in einem Einkaufszentrum kommen Menschen zusammen, um sich zu treffen und einzukaufen. Mit der Plaza wollte ich einen zusätzlichen Ort des Austauschs und des Verweilens schaffen, einen Ausgangspunkt für den Shopping-Tag und gleichzeitig ein Ort, an dem der Kunde zur Ruhe kommen kann. Die Menschen sollen sich beim Einkaufen wohlfühlen.

Mehr Informationen zu «The Village»


Veröffentlichungsdatum: 26.3.2018
Autor: Sebastian Nisi für die Vitra Publikation «Stores and Stories»
Bilder: Mikko Ryhänen
Zeichnungen: Joanna Laajisto