Nach oben

Freundschaft auf Augenhöhe

Interview mit Salva Lopez & Yosigo

Die gemeinsame Liebe zur Fotografie führte Salva Lopez und José Javier Serrano – besser bekannt als Yosigo – zusammen. Diese Leidenschaft war der Beginn einer langen Freundschaft, die zu enger Zusammenarbeit, einem gemeinsamen Studio und sogar zu einer gemeinsamen Wohnung führte.

Zusammen gründeten Salva und Javier Have a Nice Book, eine Online-Plattform für Rezensionen von Fotobüchern und Fanzines. Die beiden durchstöbern Bücherläden auf der ganzen Welt, um ihre Lieblingsexemplare zu entdecken und sie in Videos zu rezensieren. Yosigo hat gerade sein erstes Buch, Rio Avall, herausgegeben und Salvas Werke findet man in bekannten Publikationen wie Monocle, The Wall Street Journal und bei Bloomberg. Darüber hinaus sind sie Herausgeber von Rocafort 153, einem Tumblr-Blog, das über den Alltag in ihrer Wohnung berichtet. Das Duo fühlt sich sowohl hinter als auch vor dem Objektiv zu Hause.

Salvas Stil ist offensichtlich, sobald man die gemeinsame Wohnung betritt. Die Einrichtung ist makellos: Die Wände sind mit Fotoabzügen geschmückt und in den Regalen findet sich eine umfassende Sammlung von Fotobüchern. Die Räume haben eine starke visuelle Identität, so wie man es von zwei Fotografiebesessenen eben erwarten kann.

Wann begann eure Beziehung zur Fotografie?

Yosigo: Fotografie war immer schon meine Leidenschaft. Die Möglichkeit, einen Augenblick einzufrieren und für immer festzuhalten, faszinierte mich von Anfang an. Richtig ernst wurde es, als ich mit meinem Grafikdesignstudium anfing und Fotografie eins meiner Hauptfächer wurde.

Salva: Für mich fing alles recht spät an – 2007, als ich meine erste Spiegelreflexkamera kaufte. Danach war ich besessen von Fotografie und wollte sie zu meinem Beruf machen – nicht nur zu meinem Hobby.

Euer gemeinsames Hauptprojekt ist Have A Nice Book. Wir seid ihr auf diese Idee gekommen?

Yosigo: Die Idee entstand durch unsere gemeinsame Leidenschaft für Fotobände und Fanzines. Wir schufen die Online-Plattform, um einander in kurzen Videos all die Bücher zu zeigen, die wir während unserer Reisen fanden. Statt sie einander per Email zu schicken, stellten wir sie auf die Website, um sie auch anderen Leuten zugänglich zu machen. Der schwierigste Teil war, einen Namen für die Seite zu finden. Wir hatten die Idee schon länger im Kopf – und sobald wir einen Namen hatten, fingen wir an, Videos aufzunehmen, sie hochzuladen und alle möglichen Fotobücher vorzustellen.

Was ist eurer Meinung nach das Besondere an Fotobüchern?

Salva: Ich finde, sie eignen sich sehr gut für die Bewertung von Fotoarbeiten, wenn auch nicht für alle Arten von Fotografie. Heutzutage sind Fotobücher ein Trend, obwohl sie für die Darstellung einiger Fotografien gar nicht das beste Format sind.

Yosigo: Für Fotografen sind die Bücher ein tolles Medium, um ihre Foto-Essays zu präsentieren. Was mir besonders gefällt, ist die Verschmelzung all dieser unterschiedlichen Aspekte: Grafikdesign, kuratorische Praxis und Kunst.

Viele eurer Fotobücher scheinen Teil der Dekoration zu sein. Versteht ihr sie als kleine Kunstwerke?

Yosigo: Unsere Bücher sind Teil unseres Lebens; sie regen die Fantasie an. Sie mögen im Kontext unserer Wohnung so aussehen wie Dekoration, aber wir betrachten sie eher als Kunstwerke. Wenn ich mehr Geld hätte, würde ich mehr in die Werke meiner Lieblingskünstler investieren. Da das im Moment nahezu unmöglich ist, ist ein Kunstband eine Alternative, einen direkten Bezug zu jemandem zu haben, den ich bewundere.

Habt ihr schon mal ein Buch nur wegen seines Buchumschlags gekauft?

Salva: Klar, schon oft.

Yosigo: Ja, ich auch. Dasselbe gilt für Musik. Manchmal kauft man ein Album nur wegen der Hülle. Die Designkomponente ist in Publikationen eben sehr präsent. Ich finde es nicht schlimm, wenn man sich für ein Buch nur wegen seines Designs interessiert. Natürlich muss in einem guten Fotobuch gutes Design mit noch besserer Fotografie kombiniert werden. Allerdings habe ich auch schon weniger schöne Bücher gekauft, in denen umwerfende Fotos waren.

Salva, dein Interesse an Innenarchitektur ist nicht zu übersehen. Gibt es ein Möbelstück, das dir besonders am Herzen liegt?

Salva: Eins meiner Lieblingsstücke ist der Hocker von Alvar Aalto. Er ist so praktisch und schön in seiner Einfachheit. Das gleiche gilt für die zeitlosen Vitra Stücke – mit ihnen kann man nicht falsch liegen. Jahre vergehen, und sie passen immer noch.

Wie kamt ihr dazu, Möbel zu sammeln?

Salva: Als ich anfing, mich mit Möbeln zu beschäftigen, begegnete ich als erstes dem Werk von Charles und Ray Eames. Sobald ich etwas Geld zusammengespart hatte, kaufte ich den Eames House Bird und den Occasional Table LTR Beistelltisch.

Welchen Zweck sollte ein Möbelstück in eurer Wohnung erfüllen?

Salva: Jedes Stück sollte einen rein ästhetischen Sinn erfüllen. Auch wenn ich die Funktionsweise schätze, ist mir Schönheit noch wichtiger.

Wie entscheidet ihr, wo ihr eure Möbel hinstellt?

Salva: Ich habe meistens keinen festen Platz für meine Möbel. Ich verschiebe sie gerne von Zeit zu Zeit. Außerdem weiß ich nicht, wie oft ich im Leben noch umziehen werde. Deshalb meine ich, dass diese Möbel anpassungsfähig sind und sich in jeden Raum einfügen lassen.

Möchtet ihr eure Sammlung erweitern?

Salva: Es gibt so viele Dinge, die ich mir wünsche, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ich glaube, als nächstes werde ich mir eine Akari Light Sculpture von Isamu Noguchi kaufen.

An euren Wänden hängen viele Fotoabzüge. Besteht in unserem digitalen Zeitalter das Bedürfnis, die besten Aufnahmen greifbar auszustellen?

Yosigo: Ich denke schon. Wir alle haben Tausende von Bildern auf unseren Festplatten, aber einige davon müssen ausgedruckt werden – nicht nur in Publikationen, sondern auch als individuelle Abzüge, die an die Wand kommen – um sie zu erfassen und auch um von ihnen erfasst zu werden.

Das Licht in eurer Wohnung ist phänomenal. War das eure Inspiration für euren Tumblr Rocafort 153, das eurem privaten Wohnraum gewidmet ist?

Yosigo: Das war es tatsächlich. Bevor ich hier einzog, hatte ich ein ähnliches Projekt in meiner Wohnung in Hondarribia. Aber das Licht hier ist wirklich was Besonderes – es ist auf jeden Fall das Beste an der Wohnung.

Salva: Die Idee war, dass sich der Blog zu einer Art Familienalbum entwickeln soll, damit wir uns, wenn wir alt sind und natürlich angenommen, dass es Tumblr dann noch gibt, auf die wunderbaren Jahre unserer Jugend zurückbesinnen können.

Wie sehen eure privaten und professionellen Zukunftspläne aus?

Yosigo: Ich bin quasi gerade erst in dieser Stadt angekommen. Ich möchte gerne noch ein paar Jahre bleiben, meine Energiereserven aufladen und dann nach Nordspanien zurückziehen. Ich würde gerne weiterhin in der gleichen Branche arbeiten und zwischen Hondarribia und Barcelona pendeln.

Salva: Ich habe keine Ahnung. Wir sind gerade dabei, ein neues Fotostudio namens Rocafort aufzubauen, um im Bereich Modefotografie zu arbeiten. Wir werden sehen, wie es läuft. In Zukunft werde ich wahrscheinlich weiterhin in Barcelona leben und Fotos machen. Vielleicht probiere ich neue Fachrichtungen aus, wie Produkt- oder Interiordesign – wer weiß. Ich war schon immer rastlos.

Mehr von diesem Portrait bei Freunde von Freunden.


Veröffentlichungsdatum: 24.9.2015
Autor: Silvia Conde
Bilder: Silvia Conde
Editor: Effie Efthymiadi