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Zeitreise durch 20 Jahre

Ein Abend mit Edward Barber und Jay Osgerby

Mit dem Pacific Chair hat Vitra 2016 erstmals einen zusammen mit Edward Barber und Jay Osgerby entwickelten Bürostuhl vorgestellt. Dieses und weitere Projekte präsentierten die britischen Designer kürzlich an einem viel beachteten Vortrag in der Fondazione Giangiacomo Feltrinelli in Mailand, entworfen vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron. Anhand eines im Verlag Phaidon neuerschienenen Buchs über ihr Werk sprachen die beiden über die zwanzigjährige Geschichte ihres Designstudios.

Alles hatte an der Uni begonnen: Edward Barber und Jay Osgerby lernten sich während ihres Masterstudiums der Architektur am Royal College of Art in London kennen und eröffneten 1996 ihr gemeinsames Studio. Am Royal College of Art trafen sie auch Jana Scholze, die heute als renommierte Kritikerin an der Universität Kingston lehrt. Scholze ist die Herausgeberin des beim Verlag Phaidon erschienenen Buchs «Barber and Osgerby, Projects». Darin blickt sie auf die Arbeit des Studios zurück, das seit mehr als 20 Jahren moderne Formenerkenntnisse mit einem experimentellen Materialeinsatz kombiniert.

«Barber and Osgerby, Projects» ist im September 2017 erschienen. Das Buch gliedert die Arbeit von Barber & Osgerby in drei Abschnitte: «Folded Structures» erklärt, wie Materialien aus dem Architekturmodellbau experimentell in 3D-Objekte verwandelt werden, während sich «Frameworks» auf Leichtbauprojekte konzentriert und «Volumes» eine Sammlung von Stücken beinhaltet, deren Form oder Gestalt durch Modellierung entstanden ist.

Die beiden Designer arbeiten mit führenden europäischen Unternehmen zusammen. Ihre Arbeiten finden sich in verschiedenen Dauerausstellungen, darunter im Victoria and Albert Museum und im Design Museum in London, im Metropolitan Museum of Modern Art in New York und im Art Institute of Chicago.

Im Jahr 2007 wurde ihnen von der Royal Society of Arts der Titel «Royal Designers for Industry» verliehen und im Jahr 2013 wurden beide für ihr Schaffen für die Designbranche mit dem britischen Verdienstorden «Order of the British Empire» bedacht. Darüber hinaus erhielten beide einen Ehrendoktortitel.

Seit 1998 nimmt das Duo am Mailänder Salone del Mobile teil und hat in den letzten zehn Jahren zahlreiche Installationen hervorgebracht und Sonderausstellungen bespielt. Beispiele dafür sind das denkwürdige Projekt «Contemplating Monolithic Design» für Sony in der Zona Tortona während der Mailänder Designwoche 2010 sowie die riesengrosse, rotierende Spiegelinstallation aus dem Jahr 2014, welche die Grösse der Raphael Gallery im Victoria and Albert Museum scheinbar verdoppelte. Zwei Jahre später installierten die Designer anlässlich der ersten Londoner Design-Biennale im Hof des Somerset House eine grosse Wetterstation. Das bekannteste ihrer Werke ist aber vermutlich die für die Spiele von London im Jahr 2012 entworfene olympische Fackel. Deren trilaterale Struktur weist auf die dritten Olympischen Spiele hin, die in London gehalten wurden und besteht aus einer mit 8000 Perforierungen durchdrungenen Aluminiumlegierung - für die 8000 Fackelträger, die die Fackel nach London getragen haben.

In ihrem Werk stellen Edward Barber und Jay Osgerby eine besondere Harmonie zwischen Farben und grafischen Elementen her. In vielen ihrer Arbeiten nutzen sie Symbole und Farben, um Funktionen und Teile ganz ohne dekorativen Beiklang zu definieren. Im Jahr 2001 gründeten sie ihr Architektur- und Designbüro Universal Design Studio, 2012 folgte mit dem Map Project Office ein auf Forschung und strategiegeleitetes Design ausgerichtetes Unternehmen. Der Werdegang von Barber und Osgerby spiegelt ihre moderne Herangehensweise an unterschiedlichste Szenarien wider, und während des Abends in Mailand gelang es ihnen, Wissen, Leidenschaft und Ethik des Designs zu vermitteln. Die objektbezogene Kultur braucht Vermittler wie sie.


Veröffentlichungsdatum: 5.1.2018
Autor: Marco Sammicheli
Bilder: © Barber & Osgerby Studio, David Brook, Kevin Davies, Lee Funnell, Tina Hiller, Sandro Sodano, Lorenzo Vitturi