Setzen Sie sich in Bewegung!

Die ETH Zürich untersucht Mynt

Sitzen ist Arbeitsalltag. Und es gilt als Risikofaktor für Beschwerden des menschlichen Bewegungsapparats. Das sogenannte dynamische Sitzen kann jedoch die Aktivität von Muskeln und Kreislauf fördern und einseitige Belastungen reduzieren. Eine Studie der ETH Zürich hat diesen Zusammenhang am Bürostuhl Mynt von Vitra untersucht.

Das Besondere an Mynt ist sein Herzstück – die asynchrone Mechanik: Sitzfläche und Rückenlehne bewegen sich unabhängig voneinander. Wie beim Fahrradfahren, Treppensteigen und unzähligen weiteren alltäglichen Tätigkeiten hält sich der menschliche Körper beim Sitzen auf Mynt selbst in Balance und vollbringt dabei laufend kleine und grössere Bewegungen. Der Designer Erwan Bouroullec beschreibt die Wirkung des Stuhls auf seine Nutzer mit den Worten:
«Weil er unsynchronisiert ist, ist Mynt ein Stuhl, der an das positive Verhalten der Menschen glaubt. Sie finden einen Weg, mit ihm zu spielen.»
Erwan Bouroullec
Das Resultat des Vergleichs zu einem Bürostuhl mit klassischer Synchronmechanik ist frappant: Der Bewegungsanteil ist bei Mynt um rund 48 % höher und inaktive Sitzphasen fallen deutlich kürzer aus.

Diese Ergebnisse sind deshalb bemerkenswert, weil Synchronmechaniken seit Jahrzehnten als ergonomischer Standard gelten. Sie basieren auf der sorgfältigen Übertragung von Bewegungsabläufen des Körpers in technische Systeme – einer der ersten Bürostühle mit Synchronmechanik war 1976 der Vitramat. Mynt aber entkoppelt Sitz und Rücken, erhöht damit die Variabilität der Bewegungen und führt zu einer neuen Dimension von Sitzdynamik – was die ETH-Studie auch bei der Analyse der Sitzhaltungen offenbart: Mit Mynt werden sowohl nach vorne geneigte Sitzpositionen als auch stärker zurückgelehnte Rückenhaltungen häufiger genutzt und die Bandbreite der eingenommenen Positionen ist grösser.
Die Studie basiert auf Messungen im realen Büroalltag über mehrere Wochen und auf objektiven Sensordaten. Und auch wenn Aussagen zu langfristigen gesundheitlichen Effekten weiterer Untersuchungen bedürfen, hält die ETH-Studie wörtlich fest: «Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial gezielter ergonomischer Innovationen, um Bewegung im Sitzen zu unterstützen, was einen zentralen Aspekt für gesundes Arbeiten darstellt.»

Mit jahrzehntelanger Entwicklungserfahrung, Erfindergeist, biomechanischem Wissen und Beobachtung des Arbeitsalltags sind solche «ergonomischen Innovationen» möglich. Mynt ist der Beweis dafür.
«Anstatt nur einige Positionen zu haben, hat man eine Million Positionen – der Körper surft auf dem Stuhl.»
Erwan Bouroullec


Veröffentlichungsdatum: 03.09.2026
Bilder: © Vitra
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