Kadokawa Corporation

Tokorozawa, Japan

Das japanische Verlagshaus Kadokawa Corporation mit Hauptsitz in Tokio hat kürzlich einen neuen Campus in Tokorozawa, etwa 50 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, fertiggestellt. Der vielseitig nutzbare Campus ist Teil der Tokorozawa Sakura Town, einem Kulturkomplex mit dem Kadokawa Musashino Museum, einer Buchproduktions- und Vertriebseinrichtung, einem Veranstaltungsraum, einem Hotel und vielem mehr. Ein wichtiger Teil des Komplexes ist das neueste Bürogebäude von Kadokawa, ein Projekt, das von Yumika Yoshida, Design Director des Studios FLOOAT geleitet wird.

Kadokawa hat sich von einem herkömmlichen Verlag zu einem Unterhaltungsunternehmen entwickelt. Dieser Wandel führte dazu, die mit dem Wort Büro verbundenen traditionellen Vorstellungen zu überdenken. Hier wirft Yumika Yoshida einen Blick zurück auf den Entwicklungsprozess der im November 2020 offiziell eröffneten Büroräume mit 2.000 Arbeitsplätzen auf einer durchgängigen Fläche von 9.000 Quadratmetern.
Architektur
FLOOAT
Innenarchitektur
FLOOAT, Okamura, Suppose Design Office
Fotograf
Tomooki Tengaku
Wie sind Sie an die Konzeption eines Büros für Kadokawa herangegangen? Was waren die Anforderungen des Projekts?

Das Projekt stellte uns vor die Aufgabe, nicht nur eine Vielfalt von Arbeitsstilen zu berücksichtigen, sondern auch die Diversität des Gebäudes, in dem das Büro untergebracht ist. Es umfasst unter anderem ein Museum, ein Theater, eine Fabrik und ein Restaurant. Wir betrachteten die gesamte Einrichtung als einen grossen Arbeitsraum. Wir wollten uns mit der örtlichen Gemeinde verbinden und etwas zu ihr beitragen. Deshalb haben wir für Kadokawa eine neue Arbeitsumgebung entworfen, in der die Abteilungs- und Raumgrenzen nahtlos von Kreativität überspannt werden.

Sie bezeichnen die Arbeitsumgebung als «fluktuierende Landschaft». Was verstehen Sie unter diesem Begriff?

Wir haben überlegt, wie wir die Kultur von Kadokawa durch die Gestaltung des Büros zum Ausdruck bringen können: durch die Harmonisierung verschiedener Arbeitsbereiche, so wie lokale Kulturen durch unterschiedliche Klimazonen entstehen. Den riesigen Raum haben wir als eine zusammenhängende Topographie betrachtet und dann eine offene Büroumgebung mit verschiedenen, verteilten Arbeitsbereichen entworfen. Diese sind nahtlos miteinander verbunden, so dass die Menschen sich gegenseitig wahrnehmen können. Wir halten angemessene Abstände für ein wichtiges Element offener Büroumgebungen, in denen die Menschen die Anwesenheit und Lebendigkeit der anderen spüren können, auch wenn sie sich woanders aufhalten. Auf physische Wände oder Raumteiler wurde bewusst verzichtet, um eine offene Atmosphäre zu schaffen die Stimmung unter den Mitarbeitenden zu fördern.

Was ist mit Konferenzräumen oder anderen typischerweise geschlossenen Räumen?

Die Büroumgebung sollte die Tätigkeiten der Menschen auf natürliche Weise unterstützen und die Mitarbeitenden unbewusst animieren, den für sie am besten geeigneten Raum zu wählen. Statt grosser Konferenzräume haben wir mehr flexible Räume für Teamarbeit, Townhall-Meetings, Präsentationen usw. vorgesehen. Wichtig ist, dass die Umgebung je nach Bedarf leicht verändert werden kann.
«Wir mussten die Bedeutung des Begriffs Büro neu denken, da die Corona-Pandemie begann, bevor das Projekt abgeschlossen war. Wir hatten Zeit, neue Arbeitsweisen zu entwickeln und zu implementieren, so dass sich die Mitarbeitenden reibungslos in die neue Büroumgebung einfinden konnten.»
Yumika Yoshida, Design Director FLOOAT
Wie haben Sie denn diese verschiedenen Bereiche ohne Wände oder Raumteiler gegliedert?

Wir haben Arbeitsbereiche mit unterschiedlichen Höhen angelegt, damit man nach eigenem Empfinden arbeiten kann. So haben wir zum Beispiel niedrige Decken für Fokusbereiche und hohe Decken in kommunikativeren Räumen verwendet. Vier Bereiche, die wir MORI (Wald) genannt haben, sind speziell für Konzentration gedacht: Sie haben erhöhte Böden und teilweise erhöhte Decken. Wenn man sich auf einer dieser Plattformen befindet, hat man das Gefühl, das umliegende Gelände von der Kuppe eines Hügels aus zu betrachten. Auch die verwendeten Materialien sind in den verschiedenen Bereichen nicht einheitlich. Sie vermitteln vielmehr ein Gefühl von Natur. Zwischen den einzelnen Bereichen bieten sie einen Ort für eine «gemütliche Pause», um sich zu entspannen und zu erholen.
Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, eine so grosse Fläche niemals vollständig zu unterteilen?

In einem Büro, das ein Gefühl der Enge erzeugt, fällt es tendenziell schwerer, offene Kommunikationskanäle zu schaffen. In den Büros von heute ist es jedoch unerlässlich, Kommunikation aktiver zu fördern und neue Ideen anzuregen.

Warum haben Sie sich bei der Einrichtung des Büros für Vitra als Partner entschieden?

Wir haben nach funktionalen und flexiblen Produkten gesucht, die für verschiedene Arbeitsstile verwendet werden können. Als wir die Produkte von Vitra ausgewählt haben, konnten wir die Bedeutung des Raums ganz ohne Worte definieren. Zudem wollten wir die Materialien mit der üppigen Natur der Umgebung in Einklang bringen und erkannten, dass die Stoffe von Vitra subtile Nuancen haben, die bei Textilien anderer Marken nicht vorhanden sind.
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