Geoffrey Bawa – Architektur für die Sinne
Die Kuratoren Johan Deurell und Shayari de Silva im Gespräch

Geoffrey Bawa, einer der einflussreichsten Architekten Asiens im 20. Jahrhundert, schuf Räume, in denen Licht, Landschaft und Architektur zu einem zutiefst sinnlichen Erlebnis verschmelzen. Anlässlich der Retrospektive im Vitra Design Museum sprechen Ausstellungskurator Johan Deurell und Co-Kuratorin Shayari de Silva vom Geoffrey Bawa Trust über die besondere Atmosphäre seiner Bauten und die historischen Prägungen seines Werks. Ihr Gespräch beleuchtet einen architektonischen Entwurfsansatz, der tief im Kontext verwurzelt und im Einklang mit der Natur entwickelt ist – und gerade deshalb heute erstaunlich aktuell erscheint. Zugleich eröffnet es neue Perspektiven auf ein gestalterisches Erbe, das bis heute zu verantwortungsvollen und imaginativen Formen des Bauens inspiriert.
Johan Deurell: Der Untertitel unserer Ausstellung lautet Architektur für die Sinne. Wenn du an Geoffrey Bawas Werk denkst: Welches Bild, welches Gefühl oder welcher Moment kommt dir als Erstes in den Sinn?
Shayari de Silva: Number 11, Geoffreys Haus in Colombo, diente mehrere Jahre lang als Büro des Trusts. In den sechs Jahren, die ich dort gearbeitet habe, hat mich besonders fasziniert, wie sich das Licht durch das Haus bewegt. Loggien, Innenhöfe und Oberlichter wirken wie eine Art gemeinsame Sonnenuhr und lassen im Laufe des Tages immer wieder andere Räume hervortreten. Das Haus veränderte sich vollkommen – und blieb doch sowohl im hellen Tageslicht als auch während eines Monsunregens gleichermassen magisch. Obwohl wir uns so oft in diesem vergleichsweisen kleinen Haus aufhielten, fühlte sich jede Erfahrung aufs Neue besonders an. Das gilt auch für Lunuganga, vielleicht sogar noch stärker – und eigentlich für alle Bauten Bawas, auch wenn ich hier vor allem von dem Ort spreche, an dem ich die meiste Zeit verbracht habe. Wenn ein Raum dich auf diese Weise mit der Natur oder natürlichen Elementen verbindet, verortet er dich und bringt dich zur Ruhe. Genau darin liegt ein wesentlicher Teil der besonderen Anziehungskraft von Bawas Architektur.
Johan Deurell: Der Untertitel unserer Ausstellung lautet Architektur für die Sinne. Wenn du an Geoffrey Bawas Werk denkst: Welches Bild, welches Gefühl oder welcher Moment kommt dir als Erstes in den Sinn?
Shayari de Silva: Number 11, Geoffreys Haus in Colombo, diente mehrere Jahre lang als Büro des Trusts. In den sechs Jahren, die ich dort gearbeitet habe, hat mich besonders fasziniert, wie sich das Licht durch das Haus bewegt. Loggien, Innenhöfe und Oberlichter wirken wie eine Art gemeinsame Sonnenuhr und lassen im Laufe des Tages immer wieder andere Räume hervortreten. Das Haus veränderte sich vollkommen – und blieb doch sowohl im hellen Tageslicht als auch während eines Monsunregens gleichermassen magisch. Obwohl wir uns so oft in diesem vergleichsweisen kleinen Haus aufhielten, fühlte sich jede Erfahrung aufs Neue besonders an. Das gilt auch für Lunuganga, vielleicht sogar noch stärker – und eigentlich für alle Bauten Bawas, auch wenn ich hier vor allem von dem Ort spreche, an dem ich die meiste Zeit verbracht habe. Wenn ein Raum dich auf diese Weise mit der Natur oder natürlichen Elementen verbindet, verortet er dich und bringt dich zur Ruhe. Genau darin liegt ein wesentlicher Teil der besonderen Anziehungskraft von Bawas Architektur.
Während deiner Zeit beim Geoffrey Bawa Trust – bei der Erforschung und Kuratierung seines Archivs sowie bei der Leitung eines Oral History Projekts – hast du dir sicher ein Bild von «GB» als Person gemacht?
Da ich ihm selbst nie begegnet bin, kann ich mir nur anhand der Erinnerungen anderer ein Bild von ihm zusammensetzen. Im Rahmen des Oral History Projekts habe ich mit vielen seiner Kolleginnen und Kollegen, Auftraggeber und Freunden gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass er – wie die meisten Menschen – je nach Gegenüber unterschiedliche Seiten zeigte. Einige beschrieben ihn als eine Art Guru und Autorität im architektonischen Entwurf, andere als verlässlichen Freund und Vertrauten, der bis heute sehr vermisst wird. Zugleich war er in vielen Bereichen seines Lebens zurückhaltend und verschlossen. Besonders beeindruckt mich die Klarheit und Präzision seiner Texte sowie seine Fähigkeit, mit wenigen Worten viel auszudrücken. Und er hatte einen grossartigen Sinn für Humor.
Da ich ihm selbst nie begegnet bin, kann ich mir nur anhand der Erinnerungen anderer ein Bild von ihm zusammensetzen. Im Rahmen des Oral History Projekts habe ich mit vielen seiner Kolleginnen und Kollegen, Auftraggeber und Freunden gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass er – wie die meisten Menschen – je nach Gegenüber unterschiedliche Seiten zeigte. Einige beschrieben ihn als eine Art Guru und Autorität im architektonischen Entwurf, andere als verlässlichen Freund und Vertrauten, der bis heute sehr vermisst wird. Zugleich war er in vielen Bereichen seines Lebens zurückhaltend und verschlossen. Besonders beeindruckt mich die Klarheit und Präzision seiner Texte sowie seine Fähigkeit, mit wenigen Worten viel auszudrücken. Und er hatte einen grossartigen Sinn für Humor.

Kannst du den Kontext seines Schaffens kurz skizzieren?
Bawa arbeitete in einer sehr herausfordernden Zeit in Sri Lanka. Seine Karriere beginnt 1948, im Jahr der Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft. Ab 1953 erlebte das Land eine Reihe von Aufständen und Unruhen sowie ab 1983 einen Bürgerkrieg, der noch andauerte, als Bawa 2003 starb. Die sozioökonomischen und politischen Hintergründe sind vielschichtig. Auch wenn sie nicht im Zentrum der Ausstellung stehen, versuchen wir, ihre Auswirkungen auf Architektur und Design in seinem Werk sichtbar zu machen. Die sinnlichen, kostengünstigen und lokal geprägten Aspekte seiner Architektur werden leicht exotisiert oder überhöht – dabei sind sie vor allem als direkte Antwort auf die Bedingungen zu verstehen, in denen er arbeitete.
Mit der Ausstellung möchten wir ein internationales Publikum dazu einladen, Bawas Werk neu zu entdecken. Was sind aus deiner Sicht seine zentralen Merkmale?
Geoffrey Bawas Architektur ist zutiefst sinnlich und hat eine fast filmische Qualität – wenn man sie erlebt, wird man vollständig von ihr eingenommen. Die Konstruktionen und Oberflächen wirken bewusst zurückhaltend und bestehen häufig aus leicht verfügbaren Materialien. Dieses Gefühl von Schlichtheit wird zugleich durch eine besondere Form von Luxus erweitert: durch präzise gerahmte Ausblicke, durch Räume voller natürlichen Lichts sowie durch Kunst und Objekte, die untrennbar mit der Architektur verbunden scheinen. Diese vielschichtige Fülle ist in Bawas Entwurfsansatz sorgfältig komponiert. Ebenso zentral ist die Art und Weise, wie seine Architektur auf den Ort reagiert und die Natur einbezieht. Bawa war in jeder Hinsicht äusserst sensibel für den Kontext – für Topografie, Klima und die sozioökonomischen Bedingungen eines Projekts. Aus diesem Verständnis heraus entwickelte er eine Bauweise, die Bestand hat und bis heute – mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod – inspiriert.
Bawa arbeitete in einer sehr herausfordernden Zeit in Sri Lanka. Seine Karriere beginnt 1948, im Jahr der Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft. Ab 1953 erlebte das Land eine Reihe von Aufständen und Unruhen sowie ab 1983 einen Bürgerkrieg, der noch andauerte, als Bawa 2003 starb. Die sozioökonomischen und politischen Hintergründe sind vielschichtig. Auch wenn sie nicht im Zentrum der Ausstellung stehen, versuchen wir, ihre Auswirkungen auf Architektur und Design in seinem Werk sichtbar zu machen. Die sinnlichen, kostengünstigen und lokal geprägten Aspekte seiner Architektur werden leicht exotisiert oder überhöht – dabei sind sie vor allem als direkte Antwort auf die Bedingungen zu verstehen, in denen er arbeitete.
Mit der Ausstellung möchten wir ein internationales Publikum dazu einladen, Bawas Werk neu zu entdecken. Was sind aus deiner Sicht seine zentralen Merkmale?
Geoffrey Bawas Architektur ist zutiefst sinnlich und hat eine fast filmische Qualität – wenn man sie erlebt, wird man vollständig von ihr eingenommen. Die Konstruktionen und Oberflächen wirken bewusst zurückhaltend und bestehen häufig aus leicht verfügbaren Materialien. Dieses Gefühl von Schlichtheit wird zugleich durch eine besondere Form von Luxus erweitert: durch präzise gerahmte Ausblicke, durch Räume voller natürlichen Lichts sowie durch Kunst und Objekte, die untrennbar mit der Architektur verbunden scheinen. Diese vielschichtige Fülle ist in Bawas Entwurfsansatz sorgfältig komponiert. Ebenso zentral ist die Art und Weise, wie seine Architektur auf den Ort reagiert und die Natur einbezieht. Bawa war in jeder Hinsicht äusserst sensibel für den Kontext – für Topografie, Klima und die sozioökonomischen Bedingungen eines Projekts. Aus diesem Verständnis heraus entwickelte er eine Bauweise, die Bestand hat und bis heute – mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod – inspiriert.
«Ein Raum, der uns mit der Natur verbindet, versetzt uns in einen Zustand der Ruhe.»


Welche Perspektiven, glaubst du, werden Besucherinnen und Besucher aus der Ausstellung mitnehmen?
Ich hoffe, dass deutlich wird, dass ein Teil der Stärke von Bawas Werk in seiner aussergewöhnlichen Fähigkeit lag, interdisziplinäre Teams zusammenzuführen und deren jeweilige Stärken zu nutzen – sodass eine Architektur entsteht, in der das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Gleichzeitig ist seine Arbeit tief in ihrer Entstehungszeit verankert und wirkt dennoch zeitlos – eine Qualität, die die überzeugendsten kreativen Arbeiten auszeichnet.
«Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne» zu sehen vom 26. September 2026 bis zum 28. Februar 2027 im Vitra Design Museum. Zur Ausstellung erschien ein reich bebilderter Katalog mit Essays, Projektbeschreibungen sowie Interviews mit den Architekten und Architektinnen Kengo Kuma, Tatiana Bilbao, Marina Tabassum und Lina Ghotmeh.
Ich hoffe, dass deutlich wird, dass ein Teil der Stärke von Bawas Werk in seiner aussergewöhnlichen Fähigkeit lag, interdisziplinäre Teams zusammenzuführen und deren jeweilige Stärken zu nutzen – sodass eine Architektur entsteht, in der das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Gleichzeitig ist seine Arbeit tief in ihrer Entstehungszeit verankert und wirkt dennoch zeitlos – eine Qualität, die die überzeugendsten kreativen Arbeiten auszeichnet.
«Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne» zu sehen vom 26. September 2026 bis zum 28. Februar 2027 im Vitra Design Museum. Zur Ausstellung erschien ein reich bebilderter Katalog mit Essays, Projektbeschreibungen sowie Interviews mit den Architekten und Architektinnen Kengo Kuma, Tatiana Bilbao, Marina Tabassum und Lina Ghotmeh.
Veröffentlichungsdatum: 17.09.2026
Bilder: 1. Aussenansicht, Kandalama Hotel, Dambulla, Sri Lanka. Foto: Iwan Baan, 2026, © Iwan Baan; 2. Luftaufnahme, Number 11 [Haus für Geoffrey Bawa], Colombo, Sri Lanka. Foto: Iwan Baan, 2026, © Iwan Baan; 3. Innenansicht des Wohnzimmers, Number 11 [Haus für Geoffrey Bawa], Colombo, Sri Lanka. Foto: Iwan Baan, 2026, © Iwan Baan; 4. Innenansicht des Gästewohnzimmers, Number 11 [Haus für Geoffrey Bawa], Colombo, Sri Lanka. Foto: Iwan Baan, 2026 © Iwan Baan; 5. Bentota-Lounge-Sessel, Teakholz, Rattangeflecht, 1967. Foto: Andreas Sütterlin, 2026 Vitra Design Museum, © Geoffrey Bawa and Lunuganga Trusts, alle Rechte vorbehalten; 6.Bawa mit Leopold, einem seiner vier Hunde, ca. 1989, © Geoffrey Bawa and Lunuganga Trusts, alle Rechte vorbehalten; 7. Aussenansicht des Innenhofs, Lighthouse Hotel, Dadella, Sri Lanka. Foto: Iwan Baan, 2026 © Iwan Baan; 8. Aussenansicht des Verwaltungsgebäudes, Ceylon Steel Corporation, Oruwala, Sri Lanka. Foto: Sebastian Posingis, 2015 © Sebastian Posingis






