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Wie läuft’s auf der Arbeit?

Drei Fragen an Sharon Johnston

Die Gründer des Architekturbüros Johnston Marklee in Los Angeles sind mit Praxis und Theorie bestens vertraut, denn sie unterrichten auch an Harvards Graduate School of Design. Die bisher vor allem für ihre Kulturbauten bekannten Architekten haben in diesem Jahr ein Bürogebäude von fast 10.000 Quadratmetern für den Technologieriesen Dropbox in San Francisco fertiggestellt.

Wie plant man eine Arbeitsumgebung in einer Welt voller Veränderungen? Diese Frage diskutierte Geschäftsmitinhaberin Sharon Johnston mit unserer Geschäftsführerin Nora Fehlbaum beim Vitra Summit. Hier äussert sie sich zu drei Fragen über die Quellen ihrer Inspiration.

Welchen Einfluss hat deine Arbeit im Kulturbereich auf deine Herangehensweise an das Design von Bürogebäuden?

Bei Kulturbauten geht es um Gemeinschaft. Es geht darum, zusammenzukommen und etwas zu lernen, sei es nun von der Kunst oder aus der Kunstgeschichte, von Künstlern, Pädagogen oder einfach voneinander. Öffentliche Gebäude und Kulturbauten haben eine gewisse Grosszügigkeit, die sich gut auf Arbeitsumgebungen übertragen lässt. Wir möchten zusammenkommen und unser Bestes tun – das trifft auf den Kulturbereich zu, aber auch auf den Arbeitsplatz. Als Architekten hat uns die bei unseren Kulturbauten gewonnene Erfahrung bei der Büroplanung sehr geholfen.

Wie würdest du euer Büro beschreiben? Was tut ihr, damit es gut läuft?

Unser Büro kann ziemlich chaotisch sein, es ist eben ein Arbeits- und Experimentierraum. Obwohl hier natürlich keiner wohnt, hat es schon auch etwas von einem Wohnraum, eine Hybridität von Leben und Arbeiten. Wir ermutigen unsere Mitarbeiter, hier zu Mittag zu essen oder sich in unserer Bibliothek zu treffen, denn das kann eine Art osmotischer Prozesse auslösen. Man sieht etwas aus dem Augenwinkel – ein Buch, ein Kunstwerk – und greift es gedanklich auf. Kreative Zusammenarbeit ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Vor dem Dropbox-Auftrag hatten wir noch nie so ein grosses Bürogebäude entworfen. Aber was ihnen an uns gefiel, war glaube ich der Eindruck beim Besuch in unserem Büro, als sie uns inmitten unserer Arbeit und unseren Materials sahen.

Die Zukunft ist gerade noch viel unberechenbarer geworden. Architektur ist aber ein Geschäft, in dem man weit vorausplanen muss. Wie gehst du jetzt an Deine Arbeit heran?

Schon vor Covid hat unser Büro viel mit sehr zukunftsorientierten Bauherren zusammengearbeitet. Wir diskutieren also viel über Klimafragen, soziale Gerechtigkeit oder welche Rolle die Technologie in der Zukunft spielen wird. Das finden wir sehr spannend. Schon vor Covid war der Diskurs also sehr dynamisch. Und ich glaube, wir sind uns bewusst, dass das Einzige, was wir sicher über die Zukunft wissen, ist, dass sie sich weiter verändern wird. Und ich glaube, dass unser Wissen und unsere Erfahrung im Bereich Kultur und Geisteswissenschaften uns darauf gut vorbereitet hat.


Veröffentlichungsdatum: 23.10.2020
Bilder: © 1-5: Dropbox Büro San Francisco, Copyright: Daniele Ansidei; Johnston Marklee Büro, Copyright: Johnston Marklee;