Ein Framework für tägliches Lernen und flexibles Arbeiten
Interview mit Konstantin Grcic

Scout ist eine Familie mobiler und stationärer Arbeits- und Besprechungstische, die den funktionalistischen Ansatz und die «streng einfache» Ästhetik von Konstantin Grcic zeigen. Der deutsche Industriedesigner verwendet bewährte Materialien wie Stahlrohr, um langlebige Konstruktionen zu schaffen. Das System ist mobil und offen konzipiert, bietet Lösungen für heutige Büroumgebungen und lässt sich mühelos jedem Raum anpassen. Design-Redakteurin Jessica-Christin Hametner hat mit Konstantin Grcic über Scout gesprochen und nachgefragt, was ihn inspiriert hat und wie das System verschiedenen Arbeitsweisen dient.
Jessica-Christin Hametner: Scout ist eine Familie von mobilen und festen Arbeits- und Besprechungstischen, die je nach Tagesanforderung zusammengestellt, dynamisch genutzt und bei Nichtgebrauch platzsparend weggeräumt werden können. Was hat dieses Konzept inspiriert?
Konstantin Grcic: Dazu muss man wissen, dass Scout einen Vorgänger hatte. Mit Vitra hatten wir 2016 ein Produkt namens Hack entwickelt, das die Grundlage für das, was danach kam, legte. Hack war das Ergebnis einer Reise, die ich mit Vitra zu einer Zeit, als die Tech-Unternehmen rasant wuchsen und Arbeitsräume neu gestalteten, an die US-Westküste unternommen hatte. Die Tendenz ging deutlich zu demokratischeren, entspannten und weniger hierarchischen Arbeitsplätzen. Dieser Wandel in der Bürokultur führte zu mehr Flexibilität.

Als wir das erste Mal dort waren, gab es nur sehr wenige Möbel, die auf dieses Bedürfnis der Wandelbarkeit zugeschnitten waren. Hack war dann ein ziemlich radikaler Vorschlag, und einer, der unserer Meinung nach bis heute relevant ist. Auch mit Scout möchten wir die Erkenntnisse aus jenen Reisen anwenden. So haben wir all dies in ein neues Möbelkonzept zusammengeführt. Wie Hack in seiner Zeit soll auch Scout frisch wirken, doch ist es stärker ein Industrieprodukt: erschwinglich, weil es in Serie produziert wird, und dennoch hochwertig.
Kannst du den Designprozess erläutern?
Was dieses Projekt so vergnüglich machte, war, dass es zu einer echten Entdeckungsreise wurde: Dinge ausprobieren, Ideen testen und dabei lernen. In gewissem Sinne wollten wir, dass der Designprozess das ideale Szenario widerspiegelt, das wir uns für die Nutzer vorstellten. Wir wollten ehrlich und kreativ zu sein und zugleich von den besten Aspekten des Bestehenden lernen. Scout ist nicht völlig disruptiv, wischt nicht alles weg und beginnt nicht bei Null. Vielmehr baut es auf dem auf, was funktioniert, und hinterfragt es gleichzeitig: Sind die Dinge, so wie sie sind, noch gültig? Was könnte verbessert werden? Was ist wirklich notwendig?
Der Stahlrohrrahmen ist ja eine konstruktive und eine ästhetische Wahl. In welcher Phase des Designprozesses wurde diese Doppelrolle deutlich, und wie hat sie den Rest des Systems beeinflusst?
Wir wollten ein Gestell aus Stahlrohr bauen, ein klassisches und bewährtes Material in der Möbelherstellung, das bereits in den 1920er-Jahren, in der Bauhauszeit verwendet wurde und sich durchgesetzt hat. Auch heute ist Stahlrohr eines der vielseitigsten industriellen, vorgefertigten Materialien und bietet Designern zahllose Möglichkeiten.
Das Material weckt bestimmte Assoziationen: entweder das Erbe früher Stahlrohrmöbel oder – am anderen Ende des Spektrums – die Vorstellung von preiswerten, massenproduzierten Dingen. Vitra hat das Material so eingesetzt, dass es eine klare konstruktive Logik ausdrückt. Es sagt: Das mag eine ökonomische Art sein, Dinge zu tun, aber es ist eine einfache und intelligente Art – eine, die Strukturen mit echter Langlebigkeit schafft. Das Ergebnis ist ein hochwertiger Rahmen, der nicht leicht bricht und gut altert.
Kannst du den Designprozess erläutern?
Was dieses Projekt so vergnüglich machte, war, dass es zu einer echten Entdeckungsreise wurde: Dinge ausprobieren, Ideen testen und dabei lernen. In gewissem Sinne wollten wir, dass der Designprozess das ideale Szenario widerspiegelt, das wir uns für die Nutzer vorstellten. Wir wollten ehrlich und kreativ zu sein und zugleich von den besten Aspekten des Bestehenden lernen. Scout ist nicht völlig disruptiv, wischt nicht alles weg und beginnt nicht bei Null. Vielmehr baut es auf dem auf, was funktioniert, und hinterfragt es gleichzeitig: Sind die Dinge, so wie sie sind, noch gültig? Was könnte verbessert werden? Was ist wirklich notwendig?
Der Stahlrohrrahmen ist ja eine konstruktive und eine ästhetische Wahl. In welcher Phase des Designprozesses wurde diese Doppelrolle deutlich, und wie hat sie den Rest des Systems beeinflusst?
Wir wollten ein Gestell aus Stahlrohr bauen, ein klassisches und bewährtes Material in der Möbelherstellung, das bereits in den 1920er-Jahren, in der Bauhauszeit verwendet wurde und sich durchgesetzt hat. Auch heute ist Stahlrohr eines der vielseitigsten industriellen, vorgefertigten Materialien und bietet Designern zahllose Möglichkeiten.
Das Material weckt bestimmte Assoziationen: entweder das Erbe früher Stahlrohrmöbel oder – am anderen Ende des Spektrums – die Vorstellung von preiswerten, massenproduzierten Dingen. Vitra hat das Material so eingesetzt, dass es eine klare konstruktive Logik ausdrückt. Es sagt: Das mag eine ökonomische Art sein, Dinge zu tun, aber es ist eine einfache und intelligente Art – eine, die Strukturen mit echter Langlebigkeit schafft. Das Ergebnis ist ein hochwertiger Rahmen, der nicht leicht bricht und gut altert.
Für Scout waren zwei Jahre Entwicklungsarbeit nötig. Kannst du die räumliche Idee und die funktionalen Merkmale des Entwurfs erläutern?
Die mit dem Stahlrohrrahmen gezogene Linie ist räumlich, sie definiert ein Territorium, in dem man sitzt. Das hat auch eine psychologische Dimension. Wenn man sich hier hinsetzt, gibt es einen subtilen Marker um einen herum, der sagt: «Hier bin ich gerade.» Gleichzeitig lädt die Struktur zur Interaktion ein: Sie bietet eine schützende Grenze, ohne eine Barriere zu schaffen, und bleibt gleichzeitig offen und einladend. Die Tischplatten können leicht geneigt werden. Es gibt Optionen, Sichtblenden aufzuhängen und Zubehör hinzuzufügen, das als akustische Abschirmung dienen kann.
Die mit dem Stahlrohrrahmen gezogene Linie ist räumlich, sie definiert ein Territorium, in dem man sitzt. Das hat auch eine psychologische Dimension. Wenn man sich hier hinsetzt, gibt es einen subtilen Marker um einen herum, der sagt: «Hier bin ich gerade.» Gleichzeitig lädt die Struktur zur Interaktion ein: Sie bietet eine schützende Grenze, ohne eine Barriere zu schaffen, und bleibt gleichzeitig offen und einladend. Die Tischplatten können leicht geneigt werden. Es gibt Optionen, Sichtblenden aufzuhängen und Zubehör hinzuzufügen, das als akustische Abschirmung dienen kann.
Aufbauend auf dieser Idee: Aus wie vielen Teilen besteht die neue Kollektion, und wie stellst du dir die Nutzung von Scout einzeln und zusammen vor?
Es gibt fünf Tische in unterschiedlichen Grössen. Die Kollektion besteht aus festen und modularen Arbeitsplätzen wie Scout Work, aus kompakten Optionen einschliesslich Scout Work Mobile und aus kleinen Tischen auf Rollen wie Scout Sprint. Sie umfasst auch Besprechungstische in Sitz- und Stehhöhen, Scout Summit und Scout Meet, die sich gut für Bildungseinrichtungen eignen. Insgesamt ist es eine recht grosse Familie geworden.
Scout ist in der Materialverwendung und der inneren Logik dahinter stimmig. Wie bei Geschirr oder Besteck, wo Gabel und Messer zur selben Familie gehören, aber unterschiedliche Zwecke erfüllen, ist jeder Tisch von Scout durch die Form und Proportion für seine vorgesehene Verwendung definiert. Alle Teile sind direkt und anpassungsfähig. Menschen werden unweigerlich eigene Nutzungen erfinden, sei es in einer Bank, einer Schule oder zu Hause, denn das System schreibt weder eine bestimmte Umgebung noch eine feste Verwendung vor.
Es gibt fünf Tische in unterschiedlichen Grössen. Die Kollektion besteht aus festen und modularen Arbeitsplätzen wie Scout Work, aus kompakten Optionen einschliesslich Scout Work Mobile und aus kleinen Tischen auf Rollen wie Scout Sprint. Sie umfasst auch Besprechungstische in Sitz- und Stehhöhen, Scout Summit und Scout Meet, die sich gut für Bildungseinrichtungen eignen. Insgesamt ist es eine recht grosse Familie geworden.
Scout ist in der Materialverwendung und der inneren Logik dahinter stimmig. Wie bei Geschirr oder Besteck, wo Gabel und Messer zur selben Familie gehören, aber unterschiedliche Zwecke erfüllen, ist jeder Tisch von Scout durch die Form und Proportion für seine vorgesehene Verwendung definiert. Alle Teile sind direkt und anpassungsfähig. Menschen werden unweigerlich eigene Nutzungen erfinden, sei es in einer Bank, einer Schule oder zu Hause, denn das System schreibt weder eine bestimmte Umgebung noch eine feste Verwendung vor.

Beobachtest du das Verhalten von Menschen in Räumen und lässt du das dann in deine Designentscheidungen einfliessen?
Das ist eine sehr gute Frage. Ja, genau – es geht um Verhalten. Das Beobachten, wie sich Menschen bewegen, arbeiten und miteinander interagieren, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit als Designer. Alles ist menschenzentriert. Der Nutzer, die Nutzerin – wer auch immer das sein mag – steht im Zentrum des Prozesses. Gleichzeitig ist das Ziel nicht, Exklusivität für Hochgebildete oder Privilegierte zu entwerfen. Vielmehr geht es darum, Menschen zu befähigen, ihnen etwas zu geben, womit sie sich wohlfühlen, etwas, das sie stärkt. Das hoffe ich im Gegenzug zu sehen und beobachten zu können.
Angesichts der zunehmenden Vermischung von Arbeit und Privatleben und der Geschwindigkeit, mit der sich Arbeitsumgebungen entwickeln: Glaubst du, dass Designer die Kategorien, die wir Möbeln zuweisen, überdenken müssen? Dass wir vielleicht sogar neu definieren müssen, was wir als Stuhl oder Tisch bezeichnen?
Ja, auf jeden Fall. Aber das bedeutet nicht, den Tisch neu zu erfinden; er ist bereits eines der einfachsten und vielseitigsten Möbelstücke und dient als Ort zum Arbeiten, Essen, Spielen oder Dransitzen. Neben dem Stuhl bleibt der Tisch vielleicht das wesentlichste Objekt, da er eine Bühne schafft, auf der Dinge geschehen können.
Das ist eine sehr gute Frage. Ja, genau – es geht um Verhalten. Das Beobachten, wie sich Menschen bewegen, arbeiten und miteinander interagieren, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit als Designer. Alles ist menschenzentriert. Der Nutzer, die Nutzerin – wer auch immer das sein mag – steht im Zentrum des Prozesses. Gleichzeitig ist das Ziel nicht, Exklusivität für Hochgebildete oder Privilegierte zu entwerfen. Vielmehr geht es darum, Menschen zu befähigen, ihnen etwas zu geben, womit sie sich wohlfühlen, etwas, das sie stärkt. Das hoffe ich im Gegenzug zu sehen und beobachten zu können.
Angesichts der zunehmenden Vermischung von Arbeit und Privatleben und der Geschwindigkeit, mit der sich Arbeitsumgebungen entwickeln: Glaubst du, dass Designer die Kategorien, die wir Möbeln zuweisen, überdenken müssen? Dass wir vielleicht sogar neu definieren müssen, was wir als Stuhl oder Tisch bezeichnen?
Ja, auf jeden Fall. Aber das bedeutet nicht, den Tisch neu zu erfinden; er ist bereits eines der einfachsten und vielseitigsten Möbelstücke und dient als Ort zum Arbeiten, Essen, Spielen oder Dransitzen. Neben dem Stuhl bleibt der Tisch vielleicht das wesentlichste Objekt, da er eine Bühne schafft, auf der Dinge geschehen können.


Soll Scout traditionelle Büroeinrichtungen ersetzen, oder ist es dazu gedacht, verschiedene Arbeitsweisen zu ergänzen?
Ich habe über diese neue Form des Büros gesprochen, aber natürlich funktioniert nicht jeder Arbeitsplatz auf diese Weise. Nicht jedes Unternehmen ist vollständig agil oder nach diesem Modell organisiert. Manche Büros funktionieren als Ganzes so, während andere vielleicht nur sechs dieser Arbeitsplätze benötigen, um eine bestimmte Teamdynamik oder Aufgabe zu unterstützen. Die Idee ist, maximale Flexibilität zu bieten, sei es im Kleinen oder bei der Strukturierung eines ganzen Stockwerks. Das hängt vollständig vom Kontext ab.
Mit Scout beabsichtigten wir nicht, zu suggerieren, dass alles andere altmodisch oder obsolet ist. Ziel ist es nicht, Bestehendes zu ersetzen. Vielmehr ist das System eine Erweiterung oder ein komplementäres Angebot, das auf unterschiedliche Ebenen und Arbeitsstile reagiert.
Konstantin Grcic absolvierte eine Ausbildung zum Möbelschreiner am Parnham College in Dorset und studierte Design am Royal College of Art in London. 1991 gründete er sein eigenes Designstudio Konstantin Grcic Design. Das Vitra Design Museum widmete ihm und seiner Arbeit eine eigene Themenausstellung.
Ich habe über diese neue Form des Büros gesprochen, aber natürlich funktioniert nicht jeder Arbeitsplatz auf diese Weise. Nicht jedes Unternehmen ist vollständig agil oder nach diesem Modell organisiert. Manche Büros funktionieren als Ganzes so, während andere vielleicht nur sechs dieser Arbeitsplätze benötigen, um eine bestimmte Teamdynamik oder Aufgabe zu unterstützen. Die Idee ist, maximale Flexibilität zu bieten, sei es im Kleinen oder bei der Strukturierung eines ganzen Stockwerks. Das hängt vollständig vom Kontext ab.
Mit Scout beabsichtigten wir nicht, zu suggerieren, dass alles andere altmodisch oder obsolet ist. Ziel ist es nicht, Bestehendes zu ersetzen. Vielmehr ist das System eine Erweiterung oder ein komplementäres Angebot, das auf unterschiedliche Ebenen und Arbeitsstile reagiert.
Konstantin Grcic absolvierte eine Ausbildung zum Möbelschreiner am Parnham College in Dorset und studierte Design am Royal College of Art in London. 1991 gründete er sein eigenes Designstudio Konstantin Grcic Design. Das Vitra Design Museum widmete ihm und seiner Arbeit eine eigene Themenausstellung.
Veröffentlichungsdatum: 19.03.2026
Autorin: Jessica-Christin Hametner
Bilder:© Vitra








