Die Zwischenräume zum Leben erwecken
Interview mit Stephan Hürlemann

Seit Jahrzehnten entwickelt Stephan Hürlemann Produkte nach einem klaren Prinzip: Dinge sollen lange halten. So auch Reset, ein neues modulares System, das er mit Vitra entwickelt hat. Mit einem kreuzförmigen Fussausleger, der für Stabilität und Wiedererkennung sorgt, eignet sich der Entwurf als stufenförmige Sitzgelegenheit, Bühne oder Sofa. Design-Redakteurin Jessica-Christin Hametner hat mit Stephan Hürlemann über Reset gesprochen. Und darüber, welche funktionalen Bedürfnisse das System in Warte- und Arbeitsbereichen befriedigt.
Jessica-Christin Hametner: Mit dem modularen System Reset lassen sich stufenförmige Bodenstrukturen bauen, umbauen, abbauen, wegräumen und wieder aufbauen. Welche Lücke in Arbeitsumgebungen soll Reset schliessen?
Stephan Hürlemann: Reset schliesst die Lücke zwischen starren Raumlösungen und den sich wandelnden Anforderungen moderner Arbeits- und Lebenswelten. Es schafft Räume für Begegnungen, Rückzug, Bildung und Inspiration, ohne dass dafür dauerhaft installierte Strukturen nötig sind. Reset lässt sich in vieles verwandeln: Sitzstufen, eine Bühne, eine Plattform, eine Ablageplatte, ein Sofa oder ein Bett. Als modulares System lässt es sich leicht von einer Nutzung zur anderen verändern. Die Elemente lassen sich immer wieder neu kombinieren und wiederverwenden. Das ermöglicht eine effiziente Raumnutzung und schont Ressourcen. Das Ergebnis ist ein Raum, der sich anpassen kann, anstatt ersetzt werden zu müssen.
Wie hat sich das Konzept im Verlauf des Designprozesses entwickelt?
Am Anfang bestand Reset aus einfachen Holzrahmen und Auflagen, die nebeneinander gestellt und gestapelt wurden. Dies war funktional interessant, aber in Bezug auf die Form noch nicht einzigartig.
Deshalb haben wir das Design grundlegend hinterfragt und weiterentwickelt. Im Laufe dieses Prozesses entstand die Idee eines kreuzförmigen Fussauslegers. Dieses Element verleiht dem System Stabilität und eine klare Identität bei minimalem Materialeinsatz. Durch diese konstruktive Idee wurde Reset auch in formaler Hinsicht zu einem einzigartigen Produkt.
Im weiteren Verlauf lag der Fokus auf Benutzerfreundlichkeit. Die Montage sollte selbsterklärend, intuitiv und angenehm sein, ohne dass eine Anleitung erforderlich ist. Besonders auffällig ist das hörbare und spürbare Klicken beim Zusammensetzen der Plattformen. Die horizontalen Verbindungs- und Befestigungselemente haben eine doppelte Funktion: Sie sichern die Plattformen und dienen als Montagewerkzeuge. Gleichzeitig folgt die Materialwahl einem konsequenten Kreislaufansatz – sie vereint Konstruktion, Handhabung und Nachhaltigkeit zu einem einheitlichen Konzept.
Am Anfang bestand Reset aus einfachen Holzrahmen und Auflagen, die nebeneinander gestellt und gestapelt wurden. Dies war funktional interessant, aber in Bezug auf die Form noch nicht einzigartig.
Deshalb haben wir das Design grundlegend hinterfragt und weiterentwickelt. Im Laufe dieses Prozesses entstand die Idee eines kreuzförmigen Fussauslegers. Dieses Element verleiht dem System Stabilität und eine klare Identität bei minimalem Materialeinsatz. Durch diese konstruktive Idee wurde Reset auch in formaler Hinsicht zu einem einzigartigen Produkt.
Im weiteren Verlauf lag der Fokus auf Benutzerfreundlichkeit. Die Montage sollte selbsterklärend, intuitiv und angenehm sein, ohne dass eine Anleitung erforderlich ist. Besonders auffällig ist das hörbare und spürbare Klicken beim Zusammensetzen der Plattformen. Die horizontalen Verbindungs- und Befestigungselemente haben eine doppelte Funktion: Sie sichern die Plattformen und dienen als Montagewerkzeuge. Gleichzeitig folgt die Materialwahl einem konsequenten Kreislaufansatz – sie vereint Konstruktion, Handhabung und Nachhaltigkeit zu einem einheitlichen Konzept.


Welche Materialien hast du für das Projekt gewählt und was hat diese Entscheidungen geleitet?
Die Materialien mussten hohe funktionale Anforderungen erfüllen, besonders stabil und belastbar sein. Daneben war von Anfang klar, dass sie recycelbar sein mussten.
Die Platten sind in OSB, in durchgefärbtem MDF und in natürlicher Birke erhältlich. Die Unterbauelemente bestehen aus geschäumtem Polypropylen (EPP) mit 30 % recyceltem Anteil und sind vollständig recycelbar. EPP ist leicht und widerstandsfähig, weshalb es sich für ein System eignet, das häufig umkonfiguriert wird.
Die Verbindungselemente sind aus 100 % recyceltem Polyamid gefertigt und ebenfalls vollständig recycelbar.
Funktionalität und Nachhaltigkeit standen auch bei den Sitzkissen im Zentrum. Der verwendete V-Foam ist zu 100 % recycelbar. Der Bezugsstoff Laser RE besteht aus recyceltem Polyester. Die Kissen haben einen Reissverschluss, sodass die Husse entfernt und gewaschen werden kann. Die Materialwahl war gleitet von Funktionalität, Langlebigkeit und kreislauforientiertem Denken.
Gibt es ein spezifisches Designdetail oder Element, das den Charakter von Reset am besten ausdrückt?
Das charakteristischste Designelement von Reset ist sein kreuzförmiger Fuss. Er gibt dem System nicht nur Stabilität, sondern auch einen prägnanten Ausdruck. Diese Konstruktion schafft kleine dreieckige Räume, die zur Aufbewahrung oder als Ablage genutzt werden können und damit die Funktionalität der Struktur selbst erweitern. Bücher, Pflanzen und andere Gegenstände können jede Installation individuell beleben und ihr einen unverwechselbaren Charakter verleihen.
Die Materialien mussten hohe funktionale Anforderungen erfüllen, besonders stabil und belastbar sein. Daneben war von Anfang klar, dass sie recycelbar sein mussten.
Die Platten sind in OSB, in durchgefärbtem MDF und in natürlicher Birke erhältlich. Die Unterbauelemente bestehen aus geschäumtem Polypropylen (EPP) mit 30 % recyceltem Anteil und sind vollständig recycelbar. EPP ist leicht und widerstandsfähig, weshalb es sich für ein System eignet, das häufig umkonfiguriert wird.
Die Verbindungselemente sind aus 100 % recyceltem Polyamid gefertigt und ebenfalls vollständig recycelbar.
Funktionalität und Nachhaltigkeit standen auch bei den Sitzkissen im Zentrum. Der verwendete V-Foam ist zu 100 % recycelbar. Der Bezugsstoff Laser RE besteht aus recyceltem Polyester. Die Kissen haben einen Reissverschluss, sodass die Husse entfernt und gewaschen werden kann. Die Materialwahl war gleitet von Funktionalität, Langlebigkeit und kreislauforientiertem Denken.
Gibt es ein spezifisches Designdetail oder Element, das den Charakter von Reset am besten ausdrückt?
Das charakteristischste Designelement von Reset ist sein kreuzförmiger Fuss. Er gibt dem System nicht nur Stabilität, sondern auch einen prägnanten Ausdruck. Diese Konstruktion schafft kleine dreieckige Räume, die zur Aufbewahrung oder als Ablage genutzt werden können und damit die Funktionalität der Struktur selbst erweitern. Bücher, Pflanzen und andere Gegenstände können jede Installation individuell beleben und ihr einen unverwechselbaren Charakter verleihen.
Welches funktionale Bedürfnis spricht dieses Design an?
Das Bedürfnis nach Selbstermächtigung.
In vielen Arbeits- und Wartebereichen ist die Möblierung statisch und vorbestimmt. Reset bietet die Möglichkeit, Raumtopografien spielerisch zu verändern, und lädt Nutzer aktiv dazu ein.
Mitarbeitende können das System selbst umkonfigurieren und ihre Umgebung neu definieren. Das schafft nicht nur funktionalen Mehrwert, sondern fördert zudem das Zugehörigkeitsgefühl.
Kann man Reset sowohl kurzfristig als auch länger nutzen?
Reset ermöglicht kurzfristige Nutzung, aber auch längere Aufenthalte, da es flexibel ist, ohne dauerhafte Veränderungen zu erfordern.
Installationen können spontan für ein Treffen, eine Präsentation oder eine Pause geschaffen werden. Wenn sich eine Konfiguration bewährt, kann sie dauerhaft an Ort und Stelle bleiben.
Reset verbindet damit Mobilität mit Stabilität. Es ist weniger ein temporäres Event-Möbelstück als vielmehr eine anpassbare räumliche Topografie.
Das Bedürfnis nach Selbstermächtigung.
In vielen Arbeits- und Wartebereichen ist die Möblierung statisch und vorbestimmt. Reset bietet die Möglichkeit, Raumtopografien spielerisch zu verändern, und lädt Nutzer aktiv dazu ein.
Mitarbeitende können das System selbst umkonfigurieren und ihre Umgebung neu definieren. Das schafft nicht nur funktionalen Mehrwert, sondern fördert zudem das Zugehörigkeitsgefühl.
Kann man Reset sowohl kurzfristig als auch länger nutzen?
Reset ermöglicht kurzfristige Nutzung, aber auch längere Aufenthalte, da es flexibel ist, ohne dauerhafte Veränderungen zu erfordern.
Installationen können spontan für ein Treffen, eine Präsentation oder eine Pause geschaffen werden. Wenn sich eine Konfiguration bewährt, kann sie dauerhaft an Ort und Stelle bleiben.
Reset verbindet damit Mobilität mit Stabilität. Es ist weniger ein temporäres Event-Möbelstück als vielmehr eine anpassbare räumliche Topografie.


Warum eignet sich Reset besonders gut für Zwischenzonen, aber nicht für primäre Arbeitsplätze?
Reset eignet sich besonders für Zwischenzonen, weil es Offenheit statt Starrheit schafft.
Traditionelle Hauptarbeitsplätze erfordern klar definierte Funktionen – Schreibtische, Technologie, ergonomische Standards und permanente Infrastruktur. Zwischenzonen dagegen sind Übergangsräume: informell, spontan, kommunikativ oder zeitweise ruhig.
Genau hier setzt Reset an. Es strukturiert Raum, ohne ihn festzulegen. Reset aktiviert Korridore, Ecken oder offene Bereiche, indem es ihnen räumliche Qualität und Energie verleiht. Es bleibt bewusst niedrigschwellig und flexibel, weshalb es gerade in Zwischenräumen so gut funktioniert.
Reset eignet sich besonders für Zwischenzonen, weil es Offenheit statt Starrheit schafft.
Traditionelle Hauptarbeitsplätze erfordern klar definierte Funktionen – Schreibtische, Technologie, ergonomische Standards und permanente Infrastruktur. Zwischenzonen dagegen sind Übergangsräume: informell, spontan, kommunikativ oder zeitweise ruhig.
Genau hier setzt Reset an. Es strukturiert Raum, ohne ihn festzulegen. Reset aktiviert Korridore, Ecken oder offene Bereiche, indem es ihnen räumliche Qualität und Energie verleiht. Es bleibt bewusst niedrigschwellig und flexibel, weshalb es gerade in Zwischenräumen so gut funktioniert.

In vielen Organisationen wirken Übergangszonen, wie Korridore an Schulen und Universitäten, fensterlose Ecken in Lobbys oder wenig genutzte Bereiche in Büros, oft vernachlässigt. Wie können Designer diese «übrigen» Räume in sinnvollere Bereiche verwandeln, die den Mitarbeitenden besser dienen?
Zwischenzonen werden oft zu «übrigen» Räumen, weil sie wegen verschiedener kontextueller Faktoren schwer zu gestalten sind. Sie werden darum häufig provisorisch «möbliert». Der erste Schritt ist, sie als eigenständige Räume zu verstehen – nicht nur als Durchgangsbereiche, sondern als Chancen.
Designer können diese Bereiche aktivieren, indem sie ihnen räumliche Struktur geben. Verschiedene Ebenen, Sitzmöglichkeiten oder kleine Rückzugsorte verändern sofort, wie der Raum wahrgenommen wird. Eine einfache Bodenfläche wird zu einem Ort für Austausch, Pausen oder informelle Begegnungen.
Zwischenzonen leben von Offenheit und niedrigen Schwellen. Sie sollten anpassungsfähig sein: Räume, die Mitarbeitende intuitiv nutzen und bei deren Gestaltung sie selbst mitwirken können.
Wenn Restflächen eine klare räumliche Qualität erhalten, schaffen sie Orte mit Mehrwert für spontane Gespräche, Momente der Konzentration oder kollaboratives Lernen. Das «Dazwischen» wird so zu einem produktiven Teil der Organisation.
Da hybrides Arbeiten die Nutzung von Büros verändert, könnten diese wenig genutzten Bereiche jetzt zum Herz des Büros werden?
Ja, absolut. Arbeit ist nicht mehr an einen traditionellen Arbeitsplatz gebunden. Sie kann überall stattfinden – in gemeinschaftlichen Bereichen, Zwischenzonen, wenig genutzten Räumen oder an jedem Ort, der die jeweilige Aufgabe am besten unterstützt.
Wenn Zwischenzonen mit Reset aktiviert werden, können sie Orte der Selbstermächtigung und Inspiration werden. Mitarbeitende gestalten diese Bereiche spielerisch mit und verwandeln sie in ihre eigenen kleinen Welten.
Wenn du in einem Satz beschreiben müsstest, was Reset einzigartig macht, wie würde dieser lauten?
Reset ist ein modulares System, das starre Räume in anpassbare räumliche Topografien verwandelt und es Menschen ermöglicht, ihre Umgebung flexibel, ressourceneffizient und selbstbestimmt zu gestalten.
Stephan Hürlemann ist ein Schweizer Architekt und Designer mit eigenem Studio in Zürich. Er entwirft und entwickelt Innenarchitekturprojekte, Möbel, Produkte und Installationen für internationale Kunden. Mit Vitra arbeitet er seit 2017 zusammen.
Zwischenzonen werden oft zu «übrigen» Räumen, weil sie wegen verschiedener kontextueller Faktoren schwer zu gestalten sind. Sie werden darum häufig provisorisch «möbliert». Der erste Schritt ist, sie als eigenständige Räume zu verstehen – nicht nur als Durchgangsbereiche, sondern als Chancen.
Designer können diese Bereiche aktivieren, indem sie ihnen räumliche Struktur geben. Verschiedene Ebenen, Sitzmöglichkeiten oder kleine Rückzugsorte verändern sofort, wie der Raum wahrgenommen wird. Eine einfache Bodenfläche wird zu einem Ort für Austausch, Pausen oder informelle Begegnungen.
Zwischenzonen leben von Offenheit und niedrigen Schwellen. Sie sollten anpassungsfähig sein: Räume, die Mitarbeitende intuitiv nutzen und bei deren Gestaltung sie selbst mitwirken können.
Wenn Restflächen eine klare räumliche Qualität erhalten, schaffen sie Orte mit Mehrwert für spontane Gespräche, Momente der Konzentration oder kollaboratives Lernen. Das «Dazwischen» wird so zu einem produktiven Teil der Organisation.
Da hybrides Arbeiten die Nutzung von Büros verändert, könnten diese wenig genutzten Bereiche jetzt zum Herz des Büros werden?
Ja, absolut. Arbeit ist nicht mehr an einen traditionellen Arbeitsplatz gebunden. Sie kann überall stattfinden – in gemeinschaftlichen Bereichen, Zwischenzonen, wenig genutzten Räumen oder an jedem Ort, der die jeweilige Aufgabe am besten unterstützt.
Wenn Zwischenzonen mit Reset aktiviert werden, können sie Orte der Selbstermächtigung und Inspiration werden. Mitarbeitende gestalten diese Bereiche spielerisch mit und verwandeln sie in ihre eigenen kleinen Welten.
Wenn du in einem Satz beschreiben müsstest, was Reset einzigartig macht, wie würde dieser lauten?
Reset ist ein modulares System, das starre Räume in anpassbare räumliche Topografien verwandelt und es Menschen ermöglicht, ihre Umgebung flexibel, ressourceneffizient und selbstbestimmt zu gestalten.
Stephan Hürlemann ist ein Schweizer Architekt und Designer mit eigenem Studio in Zürich. Er entwirft und entwickelt Innenarchitekturprojekte, Möbel, Produkte und Installationen für internationale Kunden. Mit Vitra arbeitet er seit 2017 zusammen.
Veröffentlichungsdatum: 19.03.2026
Autorin: Jessica-Christin Hametner
Bilder: © Vitra





