Geteilte Freude ist doppelte Freude

Llisa Demetrios über den allerersten Moulded Plywood Elephant

Bei den Experimenten zur Entwicklung der legendären Plywood Chairs loteten Charles und Ray Eames die Grenzen des dreidimensionalen Verformens von Sperrholz auch an kleinen, verspielteren Formen aus. Dazu gehörte auch der Moulded Plywood Elephant, den sie 1945 herstellten und der später von Charles’ Tochter Lucia in Ehren gehalten wurde. Heute ist dieser originäre Entwurf Teil der Eames Collection, die vom Eames Institute of Infinite Curiosity verwahrt wird. Dieses widmet sich der Förderung und Erweiterung des Vermächtnisses von Charles und Ray Eames und deren Enkelin Llisa Demetrios fungiert als Chefkuratorin. Mit ihrem familiären Bezug und ihrer Leidenschaft für Design offenbart Llisa im Interview einen tiefen Einblick in die Arbeit von Charles und Ray.

Als Kind hast du mit dem allerersten Moulded Plywood Elephant gespielt – einem Objekt, das zwar verspielt aussieht, aber das Ergebnis ernsthafter Problemlösungen und technischer Innovation ist. Wann hast du erkannt, dass er Teil einer grösseren Serie von Sperrholz-Experimenten war, die das internationale Möbeldesign beeinflusst haben?
Erst viel später, als ich begonnen habe, den Elephant in der Sammlung nicht nur als Enkelin, sondern auch als Kuratorin zu betrachten. Bei Besuchen in Los Angeles erklärten Charles und Ray oft, woran sie arbeiteten, und wie eine Lösung immer zur nächsten führt. Sie fassten Misserfolge nie als Scheitern auf, sondern als Fehlannahmen – und experimentierten sofort weiter. Ihre Sperrholzexperimente reichten von Möbeln über medizinische Beinschienen für die US Navy bis zu Spielzeug.

Später verstand ich, wie eng bei ihnen der Herstellungsprozess mit der Form zusammenhing. Sie bauten nicht nur die Prototypen, sondern auch die Werkzeuge, die man für ihre Produktion brauchte. Im Eames Office wurde das sofort sichtbar: Ein Plywood Chair DCW neben dem Elephant zeigte die ganze Spannweite ihrer Arbeit mit dreidimensional verformtem Sperrholz auf. Bei unseren Touren im letzten Jahr stand der Elephant deshalb zusammen mit den Leg Splints, dem Children's Chair, dem Folding Screen, dem Flugzeugstabilisator und den Sperrholzskulpturen im Mittelpunkt.
Welche Rolle spielt der Elephant im Eames Institute für dich? Weist du bei Führungen besonders auf ihn hin?
Ja, ganz genau. Die Gäste gehen sofort auf ihn zu – er hat eine freundliche, fast schützende Präsenz, wie ein stiller Wächter. Ich sehe ihn jeden Tag und entdecke immer wieder etwas Neues in seinen organischen Formen. Seine Oberfläche ist über die Jahrzehnte nur schöner geworden. Ich habe ihn oft auf Reisen begleitet, die Kiste vorbereitet, seine Rückkehr erwartet. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht.

Als Kind fragte ich mich, warum es so wenige Elephants gab. Die Antwort hat mich überrascht: Das Verformen des Sperrholzes war schwieriger als beim Eames Lounge Chair. Umso mehr freute sich meine Mutter Lucia Eames, als Vitra 2007 zum 100. Geburtstag von Charles eine Limited Edition von je 1000 Exemplaren in naturfarbenem und in rotem Ahorn herstellen konnte.

Was sind deine frühesten Erinnerungen an den Elephant? Wusstest du damals schon, dass er von deinen Grosseltern entworfen worden war?
Für mich war der Elephant ein magisches Wesen. Er tauchte unerwartet im Eames Haus oder im Eames Office auf – immer als sanfte Einladung zum Spielen. Charles und Ray holten oft Spiele und Spielzeuge hervor, die sie entweder gesammelt oder selbst hergestellt hatten: Boote, das House of Cards, Kreisel, Musikdosen. Ich liebte auch die Modelle, die sie zur Verdeutlichung ihrer Arbeit bauten: Züge, Ausstellungsmodelle, das Aquarium. Für mich war der Elephant nie nur ein Spielzeug. Er war ein Modell von einem Elefanten.
Und deine Kinder? Konnten sie ebenfalls mit ihm spielen?
Nicht so häufig wie ich. Der Elephant reiste für viele Ausstellungen um die Welt und war selten zuhause. Meine Kinder sehen ihn heute im Institut häufiger als in ihrer frühen Kindheit. Aber sie sind mit den Eames Elephants von Vitra von 2007 aufgewachsen. In unserem Haus gibt es inzwischen eine kleine Herde von ihnen aus unterschiedlichen Holzarten. Und sie lieben die farbigen Kunststoffelefanten, besonders den kleinen roten. Viele davon haben sie auch an Freunde verschenkt.

Charles und Ray hatten eine besondere Liebe zu Spielzeug. Worin bestand diese Faszination?
Auf ihren Reisen stellten sie fest, dass zwei Spielzeuge fast überall auf der Welt existieren: Drachen und Kreisel. Diese Dinge sind so gut gestaltet, dass man gar nicht merkt, wie viel Wissen in ihnen steckt. Das Design stammt nicht von einer Person, sondern ist das Ergebnis des Wissens vieler Generationen. Im Eames Office standen überall Drachen und Kreisel. Heute sehe ich darin, wie Charles und Ray Menschen zusammenbringen wollten – über etwas, das jeder versteht: das Spiel.
Im Eames Institute haben wir über 200 Kisten voller Spielzeuge, die sie gesammelt oder selbst gemacht haben. Für sie war Spielen ein Zugang zu grossen Ideen. Wenn zum Beispiel eine Murmel durch den Klangbaum rollt und Töne erzeugt, wird die Schwerkraft plötzlich sichtbar und hörbar. Lernen, ohne es zu merken – das war ihre Lieblingsart des Lernens.
«Spielzeug ist in Wahrheit nicht so unschuldig, wie es aussieht. Spielzeug und Spiele sind die Vorreiter ernsthafter Ideen.»
Charles Eames
Ein gut gemachtes Spielzeug repräsentiert Design in seiner reinsten Form; es wurde für einen bestimmten Zweck hergestellt und erfüllt diesen perfekt. Ich habe dieses Zitat aus ihrem Film Toccata for Toy Trains schon immer geliebt: «Bei einem guten alten Spielzeug gibt es in der Regel eine Selbstverständlichkeit hinsichtlich der verwendeten Materialien. Was Holz ist, ist Holz. Was Blech ist, ist Blech. Was gegossen ist, ist wunderschön gegossen. Möglicherweise liegt darin irgendwo ein Hinweis darauf, was das kreative Klima einer jeden Zeit, einschliesslich unserer eigenen, ausmacht.»
Gibt es noch etwas, das du über den Eames Elephant sagen möchtest?
In der Bay Area habe ich einige der roten Elephants in Wartezimmern gesehen. Sie bringen Wärme in Räume und lassen Kinder und Eltern lächeln. Charles und Ray betrachteten alles, was sie entwarfen, als Geschenk. Ihr Ziel war immer, Dinge für viele herzustellen. Je mehr sie produzieren konnten, desto mehr Freude konnten sie teilen. Der Eames Elephant ist ein schönes Beispiel dafür.

Veröffentlichungsdatum: 10.12.2025
Autorin: Stine Liv Buur
Bilder: 1.–3. © Eames Institute; 4.–5. © 2025 Eames Office, LLC. All rights reserved; 6.–10. © Vitra

Das Eames Institute of Infinite Curiosity verwendet «Eames» mit Genehmigung und unter Lizenz von Eames Office, LLC. Die Werke von Charles und Ray Eames sind © Eames Office, LLC.