Ein Hoch auf Verner Panton!

Geburtstagsinterview mit Marianne Panton

Am 13. Februar 2026 wäre der dänische Architekt und Designer Verner Panton 100 Jahre alt geworden. Er nimmt in der Geschichte von Vitra einen besonderen Platz ein. Nach mehreren Jahren intensiver Forschung zu neuen Materialien, Konstruktion, Haltbarkeit und Qualität gelang es Verner Panton und Vitra, den ersten seriell gefertigten freischwingenden Kunststoffstuhl aus einem Guss auf den Markt zu bringen: den Panton Chair. Diese Zusammenarbeit markierte einen entscheidenden Moment für den Designer und das Unternehmen und führte zu einem Design, der heute als einer der ikonischsten Stühle des 20. Jahrhunderts gilt. Von den frühen Entwicklungsjahren an pflegte Verner Panton eine enge Beziehung zu den Gründern von Vitra, insbesondere zu Rolf Fehlbaum, der ein lebenslanger Freund wurde.


Marianne Panton, Verners Ehefrau und Mutter ihrer gemeinsamen Tochter Carin Panton, hat viele persönliche Erinnerungen an diese Zeit. Nur wenige wissen, dass das bekannte Foto der vor einem Swimmingpool aufgereihten Panton Chairs im Haus von Willi und Erika Fehlbaum (den Eltern von Rolf Fehlbaum) aufgenommen wurde und dass das kleine Mädchen auf dem Bild Carin ist. Weniger bekannt ist auch, dass der Umzug von Verner und Marianne von Dänemark nach Basel Anfang der 1960er-Jahre eng mit dem komplexen Entwicklungsprozess des Panton Chairs verbunden war. Und überraschend ist auch, dass Marianne am gleichen Tag wie Verner ihren Geburtstag feiert.

Verner Panton verstarb 1998 im Alter von 72 Jahren. Heute sind Marianne und Carin Panton die Eigentümerinnen und alleinigen Rechteinhaberinnen des umfangreichen Werks von Verner Panton, das über das Familienunternehmen Verner Panton Design AG verwaltet wird. Anlässlich des 100. Geburtstags von Verner Panton – und des Mannes hinter ikonischen Entwürfen wie dem Heart Cone Chair, dem Living Tower oder der Amoebe – baten wir Marianne, ihre Erinnerungen an die gemeinsamen Geburtstagsfeiern zu teilen.

Stine Liv Buur: Marianne, Sie stammen aus Schweden, und Verner Panton wurde in Dänemark geboren. Anfang der 1960er-Jahre heirateten Sie, zogen nach Basel und bekamen später Ihre Tochter Carin. In Dänemark wird ein Geburtstag traditionell mit einer klassischen Schichttorte aus Vanillecreme und Schlagsahne gefeiert, oft kombiniert mit Marmelade, Erdbeeren, Banane und geraspelter Schokolade. In Schweden gibt es eine ähnliche Torte: die «Prinsesstårta».

Diese Kuchen stehen symbolisch für Gemeinschaft, Hygge (das dänische Gefühl von Wärme, Geborgenheit und Wohlbefinden), Fika (das schwedische Ritual einer bewussten Pause) und ein starkes Traditionsbewusstsein. Haben Sie einige dieser Traditionen mit nach Basel gebracht?

Marianne Panton: Am Anfang hatten wir eigentlich keine festen Traditionen, da wir oft unterwegs waren, aber Verner und ich begannen unsere Geburtstage manchmal mit Kaffee im Bett… und als die «Prinsesstårta» in Basel erhältlich wurde, feierten wir gelegentlich mit einem Kuchen.

Als Carin und meine Tochter Cecilie bei uns waren, haben wir Geburtstagslieder gesungen und gefeiert wie die meisten anderen Familien auch. Auf unseren eigenen Geburtstagstorten hatten wir selten Kerzen – ich erinnere mich jedoch noch genau daran, als Verner und ich bei einer Feier im Designgeschäft Illums Bolighus gemeinsam 110 Kerzen auf einer Torte auspusten durften. Verner wurde in diesem Jahr 60 und ich 50 Jahre alt. Später am selben Tag organisierte der Direktor des Tivolis, Niels Jørgen Kaiser, für uns ein fantastisches Geburtstagsfest im Cirkusbygningen in Kopenhagen – mit Essen, Musik und vielen Gästen. Es war ein aussergewöhnliches und unvergessliches Erlebnis.
Sie führten gemeinsam ein sehr geschäftiges Leben, Verner arbeitete ständig an neuen Ideen oder war intensiv in Projekte vertieft. Wie fügten sich Geburtstage in diesen Rhythmus ein – waren es Momente, denen Sie bewusst gemeinsam Priorität einräumten?
Wenn wir zu Hause waren, markierten wir Geburtstage mit einer dänischen Flagge – das ist eine sehr dänische Tradition. In Dänemark wird die Flagge für alle möglichen Feiern verwendet – sie ist nicht nur ein nationales Symbol. Verner stiess im Büro immer mit unserem Team und einem netten Getränk an, aber ansonsten war es für ihn ein weiterer spannender Tag wie jeder andere.

Spielten Design und Farbe auch in privaten Ritualen, Feiern oder bei der Tischgestaltung eine Rolle?
Ja, ganz im Sinne von Verner entschieden wir uns oft für nur eine Farbe – zum Beispiel Rot –, die dann die einzige Farbe für Blumen und Tischdekoration war. Das machte es sehr besonders. Gelegentlich wählten wir auch mehrere Farben, die aber immer sorgfältig aufeinander abgestimmt waren.

Wurden Feiern manchmal davon geprägt, wo Sie sich gerade auf der Welt befanden?
Ja, auf jeden Fall – wir feierten mit dem, was es vor Ort gab. Zum Beispiel liebte Verner das dänische «Rundstykke» (Frühstücksbrötchen), er war sehr glücklich, wenn er es zum Frühstück bekommen konnte.

Haben Sie nach dem Umzug Schweizer Traditionen übernommen, die Teil Ihres Familienlebens wurden?
Wir liebten Raclette und Fondue – ich tue es noch immer –, es ist eine sehr gesellige Art zu essen. Auch die Basler Fasnacht mit all ihren Farben liebten wir und haben dabei die traditionelle «Mehlsuppe» genossen.

Die Schweiz wird oft mit Präzision und Ordnung verbunden – stand dieses Umfeld im Kontrast zu Verners Arbeitsweise oder ergänzte es sie?
Wenn überhaupt, ergänzte es seine Arbeitsweise, denn er war in seinem gestalterischen Ansatz sehr sorgfältig. Seine Faszination für komplexe geometrische Muster ist ein schönes Beispiel: Viele seiner Textilien sind wahre Präzisionsarbeiten.

Wenn Sie heute gemeinsam Geburtstag feiern könnten, was wäre Ihnen am wichtigsten?
Dass er hier wäre und wir eine wundervolle Zeit miteinander geniessen könnten.

Veröffentlichungsdatum: 20.04.2026
Autorin: Stine Liv Buur und Marianne Panton
Bilder: © Verner Panton Design AG